Berliner Ensemble: Peymann will kein "Fingerhakeln" - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Berliner Ensemble Peymann will kein "Fingerhakeln"

Intendant Claus Peymann ist stolz auf sein Berliner Ensemble. Zum Beginn der neuen Spielzeit zeigte er sich jedoch enttäuscht vom Sparkurs der Kulturbehörde.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Berlin - "Das Fingerhakeln um Gelder ist befremdlich, ernüchternd und abstoßend", sagte Peymann am Freitag zu Beginn seiner zweiten Spielzeit am Theater am Schiffbauerdamm und drohte sogar mit persönlichen Konsequenzen. "Es wird sich für mich zeigen, ob ich hier weiter arbeiten will", zeigte sich der Intendant des Berliner Ensembles enttäuscht von der Berliner Kulturpolitik.

Obwohl ihm eine kontinuierliche staatliche Förderung für die Bühne zugesichert worden sei, müsse er nämlich für einen Teil der Gesamtfinanzierung Mittel von der Stiftung Deutsche Klassenlotterie beantragen, sagte Peymann. Dem Theater werde damit die Planungssicherheit genommen. Insgesamt erhält das Berliner Ensemble aber immerhin Subventionen in Höhe von jährlich 26,5 Millionen Mark.

Nach acht Monaten am neuen Berliner Ensemble befinde sich die Intendanz sozusagen noch "im Pubertätsalter", betonte Peymann und reagierte damit auf die teilweise harsche Kritik an der künstlerischen Leistung des Theaters. Ein "Wunder" seien jedoch die hohen Besucherzahlen. "Das Berliner Ensemble ist das bestfunktionierende Theater in Berlin", sagte der Intendant.

Für die neue Spielzeit kündigte Peymann unter anderem die Uraufführungen von Elfriede Jelineks Stücken "Das Lebewohl" (Regie Ulrike Ottinger) und "Macht nichts" (Regie Einar Schleef) an. George Tabori bringt außerdem sein neues Stück "Frühzeitiges Ableben" auf die Bühne. Franz Xaver Kroetz inszeniert sein neues Werk "Haus Deutschland."

Vom 16. bis 18. Oktober erinnert das Berliner Ensemble mit einem speziellen Programm an den Beginn der Deportation der Berliner Juden 1941. Als Uraufführung zeigt Peymann "Mutters Tag" von Christoph Hein über einen nach Deutschland zurückgekehrten jüdischen Schriftsteller, der imaginären Besuch von seiner im KZ umgekommenen Mutter erhält. Es spielen George Tabori und Ursula Höpfner. Gezeigt wird außerdem Brechts "Die Jüdische Frau" aus Taboris Brecht-Abend "Von der Freundlichkeit der Welt."