Berliner Museumsinsel: "Baustopp ist ein großes Wort" - DER SPIEGEL
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Berliner Museumsinsel "Baustopp ist ein großes Wort"

Die Museumsinsel zwischen Spree und Lindenboulevard ist das prestigeträchtigste Kulturprojekt der Berliner Republik und soll massenweise Touristen in die Hauptstadt locken. Trotzdem gerät das milliardenschwere Unternehmen wegen ständiger Querelen um seine Finanzierung immer wieder in die Schlagzeilen.
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Berlin - Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) hat die gemeinsam von Bund und Berlin zu gleichen Teilen finanzierte Renovierung des Pergamon-Museums und der vier weiteren Häuser auf der Museumsinsel zum wichtigsten Kulturprojekt seiner Amtszeit erklärt. Doch was nützt's: Klaus-Dieter Lehmann, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz und in dieser Funktion Herr über die Museumsinsel, hat jetzt einen Hilferuf ausgestoßen: Wenn das Land Berlin nicht seinen Verpflichtungen nachkomme und dringend benötigte 55 Millionen Mark sofort auszahle, müssten die Bauten an den unter Unesco-Schutz stehenden Häusern noch in diesem Monat gestoppt werden. Die Rechnungen würden sich auf dem Tisch türmen, die Baukasse sei leer.

Sollte es tatsächlich zu einem Stopp kommen, müssten die am Projekt beteiligten Architekten, darunter Stars der Szene wie Oswald Mathias Ungers und David Chipperfield, ihre Bleistifte zunächst wieder einpacken. Der ehrgeizige Umbau des Pergamon-Museums oder die Errichtung des futuristisch anmutenden Eingangs- und Servicebereichs nach Louvre-Vorbild müssten auf Eis gelegt werden.

Berlins Kultursenator Christoph Stölzl (CDU) sieht die Meldungen über den drohenden Baustopp als Sturm im Wasserglas. "Baustopp ist ein großes Wort", sagt Stölzl und verweist auf die Willensbekundungen von Bund und Berlin, das Zwei-Milliarden-Projekt nach dem gemeinsam beschlossenen Masterplan bis 2010 durchzuziehen. Stiftungspräsident Lehmann habe Mittel, die für den Umbau der Museumsinsel gedacht waren, in andere Projekte investiert. "Die Stiftung war zu baufreudig". Darunter leide nun die Museumsinsel. Berlin werde aber das fehlende Geld über einen Nachtragshaushalt zwischenfinanzieren - bis die vorgesehenen EU-Hilfen fließen.

In dieser Frage wird aus dem Bundeskanzleramt Skepsis laut. Berlin habe sich darauf verlassen, dass die EU-Zuschüsse in Höhe der fehlenden 55 Millionen Mark für 2000 und 2001 noch in diesem Jahr fließen sollen. Diese Mittel seien aber für den Eingangsbereich gedacht, der jedoch frühestens 2004 fertig gestellt werde. Der Bund könne aber seine Finanzzusagen nur dann einhalten, wenn auch Berlin seinen Verpflichtungen nachkomme. Im Kanzleramt ist bereits von einem "Wortbruch" Berlins die Rede.

Mit dem Knatsch geht der Streit zwischen Bund und Berlin um die Finanzierung der Hauptstadtkultur in eine neue Runde. Ob es um die Finanzierung der Staatsoper, des Jüdischen Museums oder des NS-Dokumentationszentrums Topografie des Terrors geht - in Geldfragen sieht der Bund das Land Berlin immer wieder als unsicheren Kantonisten. Der Bayer Stölzl gibt sich davon unbeeindruckt. "Dramatisierung hilft in einer so langfristigen Baumaßnahme nicht weiter". Der Konflikt sei nur ein "haushaltstechnisches Schattenboxen".

Esteban Engel, dpa