Berliner Philharmoniker: Weingarten gibt auf - DER SPIEGEL
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Berliner Philharmoniker Weingarten gibt auf

Als Konsequenz aus dem anhaltenden Streit mit dem Chefdirigenten Claudio Abbado trat der Intendant der Berliner Philharmoniker, Elmar Weingarten, überraschend zurück.
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Berlin - Gab am Ende der Klügere nach? Chefdirigent Abbado, der zwischenzeitlich erkrankt war, soll seine Rückkehr an das Pult der Berliner Philharmonie davon abhängig gemacht haben, dass Weingarten noch vor dem regulären Vertragsende im Sommer 2001 seinen Stuhl als Intendant der Berliner Philharmoniker räumt. Ihn wird ab jetzt Verwaltungsdirektor Frank Kersten ersetzen, bis ein neuer Intendant gefunden ist. Darüber hinaus finden bereits Gespräche mit dem künftigen Philharmoniker-Chefdirigenten Simon Rattle statt.

Karajan-Nachfolger Abbado, der das Orchester seit 1990 leitet, wird seinen Posten 2002 verlassen, um Rattle Platz zu machen - ein freiwilliger Rückzug, den es in der über 100-jährigen Geschichte der Berliner Philharmoniker noch nicht gegeben hat.

Weingarten wollte seinen Schritt am Dienstag nicht weiter kommentieren. "Klar ist, dass ich nicht im Wege stehen will, die nächsten Konzerte stattfinden können und Claudio Abbado in den nächsten zwei Jahren mit dem Orchester musizieren kann", sagte er. Abgesehen davon habe er Abbado seit längerem nicht gesprochen.

Weingartens Dienstherr, der Berliner Kultursenator Christoph Stölzl, war - anders als Orchester und Chefdirigent - mit dem seit 1996 amtierenden Intendanten höchst zufrieden. Er zeigte sich fassungslos über den Streit und musste am Dienstag konsterniert mitteilen: "Dr. Weingarten hat heute aus Verantwortung um den Frieden im Orchester sein Einverständnis dazu erklärt, seine Intendanz bis auf weiteres ruhen zu lassen. Der Kultursenator hofft, dass die am Konflikt Beteiligten bald zu einem tragfähigen Ausgleich gelangen."

Doch da wird nicht viel auszugleichen sein. "Er oder ich" war Abbados Alternative, über deren Hintergründe viel gerätselt wird. Der 67-jährige, zurückhaltende Italiener, der seit einer schweren Operation am Zwölffingerdarm im Juli pausieren musste, schweigt sich in der Öffentlichkeit aus. Aus dem Orchester hieß es jedoch, zwischen ihm und Weingarten habe einfach "die Chemie nicht gestimmt". Zu verschieden seien die beiden Persönlichkeiten, ihr Temperament und ihre Arbeitsweise gewesen. Dabei hatte Abbado Weingartens Berufung seinerzeit akzeptiert, doch war dieser auch nicht dessen "erste Wahl" gewesen.

Der 1942 geborene Weingarten, der zuvor das Deutsche Symphonie-Orchester in Berlin geleitet hatte und sich gemeinsam mit Nike Wagner um die Nachfolge Wolfgang Wagners als Chef der Bayreuther Festspiele bewirbt, legte sich zudem mit dem Orchester an: Im vergangenen Jahr stimmte er einem "Crossover"-Projekt mit der Rockgruppe Scorpions nur widerwillig und auf dienstliche Anweisung des Kultursenators zu. In diesem Punkt hatte er immerhin die Unterstützung des designierten Abbado- Nachfolgers Rattle.

Wilfried Mommert, dpa