Berliner Schaubühne: Ostermeier droht mit dem Aus - DER SPIEGEL
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Berliner Schaubühne Ostermeier droht mit dem Aus

Steht eines der bekanntesten deutschen Theaterhäuser vor der Schließung? Nach einer erneuten Finanzkürzung sieht der Intendant der Berliner Schaubühne, Thomas Ostermeier, keine Grundlage mehr für die Fortsetzung des Betriebs. Bereits in 18 Monaten könnte der Vorhang fallen.
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Die Förderungen für 2006 und 2007 sollen um 600.000 Euro gekürzt nur noch bei 11,68 Millionen Euro liegen. Grund für die Etatkürzung ist die Ausgliederung der Tanzcompagnie von Sasha Waltz. Durch diesen Beschluss des Parlaments-Hauptausschusses sieht Intendant Thomas Ostermeier die Existenz seines Theaters akut gefährdet. "Ich verstehe nicht, wie man so verantwortungslos mit so einem Haus umgehen kann", sagte der Regisseur zur Nachrichtenagentur dpa. Er sehe sich deshalb dazu gezwungen, den Theaterbetrieb nach der Spielzeit 2006/2007 einzustellen.

Alle Berliner Bühnen seien unterfinanziert, halten die Politiker dagegen. Der kulturpolitische Sprecher der Linkspartei, Wolfgang Brauer, bezeichnete das Vorgehen Ostermeiers als "billigen Erpressungsversuch". Es wäre immer noch möglich, mit diesen Mitteln "vernünftiges Sprechtheater" auf die Beine zu stellen.

Die Zuschauerprognose der Schaubühne für 2005 sieht nicht rosig aus. Nur 72,5 Prozent Zuschauerauslastung werden vorhergesagt, was die rote Laterne bei den großen subventionierten Häusern bedeutet. Ostermeier hat seit seiner Einsetzung im Jahr 1999 versucht, durch zeitgemäße Stücke von Falk Richter, Sarah Kane und Lars Noren vor allem junge Menschen ins Theater zu locken. Das gelang ihm zwar, doch ein großer Teil des Stammpublikums wandte sich ab.

Eine Schließung des renommierten Hauses wäre ein herber Verlust für die deutsche Theaterszene. Unter Peter Stein hatte die Bühne Weltruhm erlangt; Bruno Ganz und Otto Sander hatten ihre größten Erfolge gefeiert. Ostermeier strukturierte das Theater um, setzte auf junge Schauspieler und streitbare Themen. Zu den größten Erfolgen des Regisseurs gehört die Ibsen-Inszenierung "Nora" mit Anne Tismer in der Hauptrolle.

Ostermeier, der in diesem Jahr auf den Theaterfestspielen in Avignon für seine Inszenierung von Sarah Kanes "Zerbombt" gefeiert wurde, will das Argument, die Zuschauerzahlen seien ungenügend, nicht gelten lassen. "Wir machen nicht das gefälligste Theater, aber genau das braucht Berlin", sagte er der dpa. Sein Vertrag an der Schaubühne laufe zwar noch bis 2009, aber andere Theater hätten ihm bereits Angebote gemacht.