Berliner Schloss-Debatte Spenden statt Stillstand
Berlin - "Ein Moratorium darf nicht Stillstand heißen", sagte Wolfgang Thierse bei einer Pressekonferenz des "Fördervereins Berliner Schloss".
Der Bundestag hatte den bereits beschlossenen Wiederaufbau des Berliner Schlosses im vergangenen November auf "wirtschaftlich bessere Zeiten" verschoben. Parlamentspräsident Thierse betonte am Donnerstag in Berlin, dies könne nicht bedeuten, das Ziel aus den Augen zu verlieren. Vielmehr müsse alles so vorbereitet werden, dass man bei "besserer Haushaltslage" unverzüglich mit dem teilweisen Wiederaufbau beginnen könne. In Richtung Manfred Stolpe, dem Bundesminister für Verkehr und Bauen, sagte Thierse, der Wettbewerb für die Baumaßnahmen müsse ausgeschrieben und der Abriss des Palasts der Republik vorangetrieben werden. Er sei sicher, dass "der Minister aus Respekt vor dem Parlament tätig werden wird", gab sich der Sozialdemokrat überzeugt.
Spendensammeln für Barockfassade
Die Spendensammlung für den Wiederaufbau der Schlossfassade ist nach Angaben von Wilhelm von Boddien, Geschäftsführer des "Fördervereins Berliner Schloss", derweil "auf einem guten Weg". Rund 80 Millionen Euro werden voraussichtlich für die Rekonstruktion der barocken Schlossfassade benötigt, die der Förderverein durch Spenden finanzieren will. Im vergagenen Jahr wurden nach Vereinsangaben 640.000 Euro gesammelt.
Wie von Boddien am Donnerstag bekannt gab, werde künftig auch in den Berliner Filialen der Deutschen Bank für Spenden geworben. Wenn diese Aktion erfolgreich sei, werde man möglicherweise in einem weiteren Schritt auch deutschlandweit in den Geschäftsstellen des Bankhauses werben. Auch mögliche Spender im Ausland sollen künftig verstärkt angesprochen werden. "Wir verlieren dieses Potential nicht aus den Augen", sagte von Boddien und nannte als Vorbild den Wiederaufbau der Dresdner Frauenkirche. Hier waren zahlreiche Spenden aus dem Ausland - vor allem den USA - geflossen.
Lokomotive Bundesregierung
Das Wichtigste seien zunächst jedoch klare Signale für den Schlossaufbau von Seiten der Politik. Die Regierung müsse hier eine "Lokomotivfunktion" übernehmen, denn: "Niemand spendet, wenn er zweifelt, ob das Projekt baldmöglichst in Angriff genommen wird." Auch der Berliner Senat müsse begreifen, dass der Wiederaufbau des Schlosses nicht nur Kosten mit sich bringe. "Es handelt sich hier um ein Konjunkturprogramm für die Stadt", erklärte von Boddien. Die Arbeiten würden etliche Arbeitsplätze sichern und auch Berufszweige erhalten, die sonst vom Aussterben bedroht seien. Der geplante Bankettsaal werde Berlin attraktiver machen. "Das wird auch mehr global players in die Stadt locken", so die Vision.
Abbruch des Palasts doch billiger?
Von Boddien widersprach den Spekulationen, der Abbruch des zu DDR-Zeiten errichteten Palasts der Republik, der weitgehend entkernt wurde und zur Zeit für eine Ausstellung genutzt wird, werde "40 Millionen Euro plus X" kosten. Diese Summe war in den vergangenen Monaten immer wieder genannt worden. Vor allem Probleme mit der Statik der nahen Umgebung wurden hierfür angegeben. Von Boddien widersprach solchen Sorgen. Es sei ein "uraltes Märchen", dass durch den Abbruch des Palasts der nahe gelegene Berliner Dom einstürzen könne. Der Plan sehe vielmehr vor, den Palast abschnittsweise zurückzubauen und den Keller als Gegengewicht schrittweise mit Sand zu füllen. So könne der Palast ohne Auswirkungen auf die Nebengebäude abgerissen werden.
Für die Schlossbefürworter steht einem Abriss nichts entgegen. Von Boddien präsentierte am Donnerstag einen Kostenvoranschlag einer Hamburger Firma, in dem die Entfernung des Palastes mit voraussichtlich rund sechs Millionen Euro angegeben wird. Er habe dieses Papier auch an die zuständigen Stellen im Bundesbauministerium weitergeleitet. Bisher sei von dort aber noch keine Reaktion gekommen. Und so vermutet denn auch von Boddien, dass hinter den Verzögerungen durch das Stolpe-Ministerium "möglicherweise" andere als rein finanzielle Gründe zu suchen seien.
Christiane Wolters