Berliner Theatertreffen Hamburger Thalia Theater dreimal eingeladen
Berlin - Schon als bekannt wurde, dass der Intendant des Hamburger Thalia Theaters, Ulrich Khuon, 2009 ans Deutsche Theater in Berlin gehen würde, war der Katzenjammer in Hamburg groß. Nun dürfte er umso größer werden, denn Khuon holte auch in diesem Jahr einen respektablen Sieg für sein Haus: Zum diesjährigen Berliner Theatertreffen wurden gleich drei Inszenierungen aus dem Thalia Theater eingeladen.
Neben dem verlässlichen Theatertreffen-Garanten Andreas Kriegenburg, der für seine Inszenierung "Die schmutzigen Hände" von Jean-Paul Sartre eingeladen wurde, sind aus Hamburg außerdem Dimiter Gotscheffs "Der Tartuffe" und Nicolas Stemanns Jelinek-Uraufführung "Ulrike Maria Stuart" eingeladen worden.
Andreas Kriegenburg ist außerdem auch mit seiner "Drei Schwestern"-Inszenierung an den Münchner Kammerspielen vertreten und damit gleich zweimal eingeladen. Ebenso wie Jan Bosse, der sowohl mit "Die Leiden des jungen Werthers", das er am Maxim Gorki Theater Berlin inszeniert hat, vertreten ist, als auch mit "Viel Lärm um nichts" aus dem Burgtheater Wien.
Vom Deutschen Theater Berlin wählte die Jury "Die Orestie" von Aischylos in der Regie von Michael Thalheimer. Außerdem gehören Sebastian Nüblings "Dido und Aeneas" vom Theater Basel und Jürgen Goschs Jasmina Reza-Uraufführung "Der Gott des Gemetzels" vom Schauspielhaus Zürich zu den "zehn bemerkenswertesten deutschsprachigen Inszenierungen" dieser Saison. Als "Youngster" unter den Regisseuren wählte die Jury den 1979 geborenen Regisseur Tilmann Köhler vom Deutschen Nationaltheater Weimar mit seiner Inszenierung "Krankheit der Jugend" von Ferdinand Bruckner aus. Köhler gelinge "aufregend junges und lebendiges Zeittheater", meinte die Jury zu seiner Arbeit.
In den anderen Begründungen der Jury-Entscheidungen heißt es unter anderem bei Stemanns Jelinek-Inszenierung "Ulrike Maria Stuart", der Regisseur mache daraus "die krachendste Polit-Revue seit langem, ein großes Terror-Potpourri, aber auch einen wilden Klamauk über die Berliner Mediendemokratie". Thalheimers Inszenierung der "Orestie" am Deutschen Theater Berlin sei "eine Hardcore-Orestie", ein Sudelbad im Mythos. Erbarmungslos, drastisch, radikal ... Blut fließt in Strömen." Kriegenburgs "Drei Schwestern" an den Münchner Kammerspielen seien "ein Tschechow-Taumel, Russendisco und Totentanz, bezwingend, befremdlich, betörend". Zu Jan Bosses "Viel Lärm um nichts" an der Wiener Burg heißt es: "Das ist ja fast Anarchie! Mehr gute Laune gibt es jedenfalls nirgendwo zu kaufen."
Die Inszenierungen wurden von einer siebenköpfigen Jury aus Theaterkritikern gewählt und werden werden vom 5. bis 20. Mai in Berlin gezeigt.
hoc/dpa