Berliner Zeitungsstreit Springer bleibt skeptisch
Berlin/Stuttgart - Der Bundeswirtschaftsminister habe Holtzbrinck aufgefordert zu prüfen, ob es für das Blatt einen Interessenten gibt, der bereit und in der Lage sei, den Berliner "Tagesspiegel" als eigenständige publizistische Einheit zu führen, teilte der Verlag am Montag in Stuttgart mit. Holtzbrinck habe dieser "außergewöhnlichen und schwierigen Prüfung" zugestimmt, erklärte Verlagssprecher Rolf Aschermann.
Zuvor hatte Clements Behörde eine Entscheidung über eine Ausnahmegenehmigung für den Erwerb der "Berliner Zeitung" (Gruner+Jahr) durch Holtzbrinck verschoben. Die Voraussetzungen für die Bewertung des Holtzbrinck-Antrags auf Ministererlaubnis seien noch nicht erfüllt, teilte das Ministerium mit und bestätigte damit einen SPIEGEL-Bericht vom Wochenende. Ein neuer Termin wurde nicht genannt.
Ursprünglich sollte die Entscheidung über den Antrag an diesem Dienstag bekannt gegeben werden. Das Bundeskartellamt hatte dem Stuttgarter Verlagshaus den Kauf der "Berliner Zeitung" untersagt, da dadurch Holtzbrinck den Markt der regionalen Abonnements-Zeitungen in Berlin beherrschen würde, so die Begründung der Bonner Wettbewerbs-Wächter. Der Springer Verlag als größter Konkurrent auf dem Berliner Zeitungsmarkt ("B.Z.", "Die Welt", "Berliner Morgenpost") hatte sich aus nahe liegenden Gründen ebenfalls gegen die Ministererlaubnis ausgesprochen und sogar mit Einstellung der "Welt" und "Morgenpost" gedroht, sollte Clement der Fusion zustimmen.
Der Springer Verlag begrüßte am Montag "grundsätzlich", dass Clement die von Holtzbrinck vertretene Position anzweifelt und einen Nachweis für die Behauptung fordert, es gebe keinen Kaufinteressenten. Allerdings werde Springer sehr genau darauf achten, dass es nicht um eine "Scheinauflage" handelt, sagte Verlagssprecherin Edda Fels.
Das Stuttgarter Verlagshaus ("Die Zeit", "Handelsblatt") hatte bislang argumentiert, der defizitäre "Tagesspiegel" sei allein wirtschaftlich nicht überlebensfähig, für das verlustreiche Blatt finde sich kein Käufer. Sollte sich nun tatsächlich kein Interessent finden, wird die Sondergenehmigung wahrscheinlicher, heißt es im Wirtschaftsministerium.