Maler Willi Sitte: Der Staat und der Künstler
Umstrittener DDR-Maler Willi Sitte ist tot
Halle - Willi Sitte, einer der wichtigsten Künstler der DDR, ist tot. Der Maler starb am Samstagmorgen im Alter von 92 Jahren in seinem Haus in Halle an der Saale nach langer Krankheit, wie die Willi-Sitte-Stiftung mitteilte. Er galt als einer der herausragenden Vertreter des Sozialistischen Realismus. Wegen seiner engen Kontakte zum Staatsapparat der DDR war Sitte hoch umstritten und musste sich vor allem nach der Wende einer kritischen Auseinandersetzung mit seiner Funktionärstätigkeit stellen.
Sitte wurde 1921 im tschechischen Kratzau geboren. Er studierte von 1936 bis 1939 an der Kunstschule Reichenberg, bevor er in der Meisterschule für Malerei in Kronenburg/Eifel angenommen wurde. Zwischen 1941 und 1944 leistete Sitte Kriegsdienst. Im Apennin schlug er sich auf die Seite der italienischen Partisanen und nahm 1944/1945 als Mitglied des Komitees zur nationalen Befreiung Italiens am antifaschistischen Widerstandskampf teil.
Nach Kriegsende blieb er zunächst in Italien, zog aber 1946 nach Halle/Saale, wo er schnell zum wichtigen Künstler und Kulturfunktionär aufstieg. Er war von 1974 bis 1988 Präsident des Verbands Bildender Künstler (VBK) und gehörte ab 1976 als Abgeordneter des Kulturbundes der Volkskammer an. Von 1986 bis 1989 war er schließlich Mitglied des Zentralkomitees der SED.
"Macht nie missbraucht"
In Westdeutschland wurde er einem breiten Publikum durch die documenta 6 1977 in Kassel bekannt, wo er zusammen mit den Begründern des Malstils der Leipziger Schule, Bernhard Heisig, Wolfgang Mattheuer und Werner Tübke, vertreten war.
Sein politisches Engagement brachte ihm schon vor der Wende viel Kritik unter Kollegen ein, 1989 gab er die Ernennung zum Ehrenpräsidenten des VBK zurück. Zu seiner Rechtfertigung erklärte er 1990 in der "FAZ", die Macht, die er besessen habe, "nie missbraucht, sondern zum Nutzen vieler Kollegen" eingesetzt zu haben.
Mitte der neunziger Jahre verschärfte sich die Auseinandersetzung um Sittes Kontakte unter anderem zur Stasi so sehr, dass Sitte schließlich ankündigte, nicht mehr in den neuen Bundesländern ausstellen zu wollen. Er brach diesen Vorsatz aber Anfang 2001, als in seiner Wahlheimat Halle eine Ausstellung seiner Lithografien eröffnete.
2003 gründete sich in Merseburg die Willi-Sitte-Stiftung, der Sitte 250 Gemälde und über 1000 Zeichnungen, Radierungen, Grafiken und Skizzen überließ. "Sein Tod hat uns sehr betroffen gemacht, wenngleich wir um seinen bedenklichen Gesundheitszustand wussten", sagte der Vorsitzende der Sitte-Stiftung, Hans-Hubert Werner. "Unser Anliegen, sein künstlerisches Erbe zu verbreiten, verstärkt sich jetzt noch mehr."