Beutekunst-Austausch "Bewegender Moment"
St. Petersburg - Im Katharinenpalais, der ehemaligen Sommerresidenz des Zaren, übergaben Kulturstaatsminister Michael Naumann und Bremens Bürgermeister Henning Scherf eine Kommode und ein Mosaik aus dem legendären Bernsteinzimmer.
Der bei der Zeremonie anwesende russische Präsident Wladimir Putin sprach von einem "bewegenden Moment". Die beiden Kunstschätze waren vor einigen Jahren nach ihrem Raub aus Rußland während des Zweiten Weltkriegs in Deutschland wiederentdecken worden.
Im Palast öffneten sechs Hände die Transportkiste des Mosaiks. Naumann, Russlands Kulturminister Michail Schwydkoi und der Direktor des Katharinenpalais, Ivan Sautow, legten weiße Handschuhe an und hoben die kostbare Fracht vorsichtig hoch. "Da ist das Meisterwerk!" freute sich Sautow.
"Für meine Landsleute ist es eine große Freude, Russland wieder diese Kunstwerke übergeben zu können", sagte Naumann. Gleichzeitig schlug er Putin neue Wege in der festgefahrenen Diskussion über die Rückgabe von weiterer Beutekunst aus Deutschland vor, die vom Parlament in Moskau inzwischen per Gesetz zum Eigentum Russlands erklärt wurde. Unter dieses "Beutekunst-Gesetz" fallen rund 300.000 Kunstwerke und Millionen von Büchern, die von der Sowjetarmee 1945 aus Deutschland verschleppt wurden.
Bereits am Freitag hatte Schwydkoi der deutschen Delegation die offizielle Ausfuhrgenehmigung für 101 Kunstwerke der Bremer Kunsthalle übergeben. Diese Zeichnungen und Grafiken, die ein sowjetischer Offizier eigenmächtig mitgenommen hatte, lagern seit 1993 in der Deutschen Botschaft in Moskau. Die Werke sollen schon am Sonntag in der Hansestadt ausgestellt werden.