Beutekunst Back to Berlin
Berlin - Trotz der politisch ungeklärten Situation vor der Präsidentenwahl in Russland zeigte sich Stiftungspräsident Klaus-Dieter Lehmann relativ optimistisch. Er habe im Januar mit dem seinerzeitigen Kulturminister Wladimir Jegorow Gespräche geführt, in denen dieser die baldige Überführung der "Beutekunst" aus der jahrzehntelang verschlossenen "Spezialverwahrung" in das öffentliche Kultur- und Wissenschaftsleben angekündigt habe. Damit würden diese Kunstgegenstände öffentlich zugänglich, betonte Lehmann.
Er habe daraufhin das dringende Interesse von Wissenschaftlern der Berliner Museen, insbesondere des Museums für Vor- und Frühgeschichte, wo sich früher auch der "Schatz des Priamos" befand, bekundet und betont, sich an der wissenschaftlichen Erschließung der in St. Petersburg und in Moskau befindlichen Teile der Berliner Sammlung zu beteiligen.
"Eine Zusammenarbeit auf den Fachebenen würde zur Entkrampfung der schwierigen Lage beitragen", meinte Lehmann. Das Moskauer Ministerium habe die Museen jetzt angewiesen, den freien Zugang zu den Sammlungen und die wissenschaftliche Zusammenarbeit zu gewährleisten. Das Problem der kriegsbedingt verlagerten Kulturgüter sei "zu lange auf der Ebene der Emotionen bewegt worden, jetzt sollten Fachleute an die Lösung der Aufgaben gehen", hieß es in Moskau.
Als nächster Schritt wurde ein Treffen zwischen Berliner Museumsfachleuten und den Kollegen in Kaliningrad ins Auge gefasst, bei dem es um die kürzlich gefundenen "Prussia"-Bestände gehen soll. Ein Teil der Sammlung befindet sich in Berlin. Lehmann kündigte an, das Thema nach den Präsidentenwahlen in Russland "wieder sehr schnell voranzutreiben", woran auch Bundeskanzler Gerhard Schröder und Kulturstaatsminister Michael Naumann ihr Interesse bekundet hätten.