Beutekunst Einigung in Bremen
Bremen - Die Rückgabe des berühmten Bernsteinmosaiks an Russland wird dem Bremer Regierungschef Henning Scherf zufolge voraussichtlich am 26. März erfolgen. Im Gegenzug sollen 101 Bilder des Bremer Kunstvereins an die Weser zurückkehren, kündigte der stellvertretende Minister für Kultur der Russischen Föderation, Pawel V. Khoroshilow, bei dem Treffen in Bremen an. Diese gelten nicht als Beutekunst, da sie bei Kriegsende von russischen Soldaten ohne offiziellen Beschlagnahmebefehl mitgenommen worden waren.
Das einzige im Original erhaltene Bild aus dem Bernsteinzimmer war dagegen von deutschen Wehrmachtssoldaten aus dem Zarenschloss von St. Petersburg erbeutet worden und 1945 beim Rückzug in Ostpreussen verschwunden. Es wurde 1997 von der deutschen Justiz in Bremen sichergestellt und wurde bis jetzt an einem geheimen Ort aufbewahrt. Für den Besuch der russischen Delegation am Sonnabend wurde es erstmals für kurze Zeit gezeigt.
"Es ist nur eine Frage der Rituale, bis das Bernsteinmosaik-Bild wieder im Besitz des russischen Volkes ist", versicherte Scherf seinen Gästen. Bremen hatte darüber bereits im vergangenen Herbst eine vertragliche Regelung mit Russland getroffen. Dieser Alleingang hatte zeitweise für erhebliche Verstimmung zwischen Bremen und Kanzleramt sowie Außenministerium gesorgt.
Um das Bild dreht sich seit Monaten ein Prozess vor dem Bremer Landgericht. Dort verteidigt der ehemalige Bremer Innensenator Ralf Borttscheller (CDU) einen Notar, der nach dem geplatzen Verkauf des Bildes wegen versuchten schweren Betruges angeklagt ist. Der Notar handelte im Auftrag eines inzwischen verstorbenen Bremer Rentners. Dieser hatte sich als rechtmäßiger Eigentümer bezeichnet, da er das Bild von seinem Vater geerbt habe, der das Mosaik vermutlich als Wehrmachtssoldat aus Ostpreussen mitgebracht hatte. Für Montag werden in dem Verfahren die Plädoyers erwartet.