Bibliotheksbrand: Katastrophe größer als angenommen - DER SPIEGEL
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Bibliotheksbrand Katastrophe größer als angenommen

Der Schock über den Brand in der Weimarer Herzogin-Anna-Amalia-Bibliothek ist noch kaum verkraftet, da kommt schon die nächste Unheilsmeldung: Deutlich mehr Bände wurden vernichtet, die Zahl der verbrannten Gemälde steigt auf 42 an. Großzügige Spenden sagten unterdessen Allianz, Brockhaus und der Sender 3sat zu.
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Weimar - Mutige Bürger hatten geholfen, Feuerwehrleute alles versucht: Um so viele Bücher wie möglich aus Weimars Anna-Amalia-Bibliothek zu bergen, begaben sich die Retter teilweise in höchste Gefahr. Wie sich jetzt herausstellte, hat der Brand vor einer Woche trotz des umfassenden Engagements doch mehr als die bisher vermuteten 30.000 Bücher vernichtet. Betroffen ist vor allem der Bestand von Bänden des 16. und 17. Jahrhunderts, die Goethe, Schiller, Herder und Wieland für ihre Arbeit nutzten. Dies teilte heute die Stiftung Weimarer Klassik mit. Auch die Zahl der verbrannten Gemälde musste mit nunmehr 42 Werken nach oben korrigiert werden.

Das volle Ausmaß der Schäden an Bau, Büchern und Kunstwerken stehe nach wie vor nicht fest, auch die kriminaltechnischen Untersuchungen zur Brandursache dauerten noch an, hieß es aus Weimar. Verloren seien neben den Bildern der zweiten Galerie des Rokokosaales auch die Kunstwerke, die in den holzverkleideten Treppenaufgängen untergebracht waren. Manche der insgesamt 70 Skulpturen, die sich im Rokokosaal befunden hätten, seien "schwer gezeichnet". Von einer Büste Gotthold Ephraim Lessings von Gottlieb Martin Klauer habe man lediglich Einzelteile bergen können.

20 Tonnen vom Löschwasser schwer beschädigte Bücher seien zur Gefriertrocknung ins Leipziger Zentrum für Bucherhaltung gebracht worden. Weitere 18 Tonnen habe man aus der Asche retten können, auch sie würden in Leipzig gefriergetrocknet. Zwölf weitere Container mit Brandschutt sollen in den nächsten Tagen auf Bücher und verwertbare Reste der Saalarchitektur gesichtet werden.

Allein für die Sanierung des Bibliotheksgebäudes erwartet die Stiftung Kosten in zweistelliger Millionenhöhe. 150.000 Euro seien bisher auf dem Spendenkonto für den Wiederaufbau der Bibliothek eingegangen. Außerdem seien Gelder in Millionenhöhe zugesagt worden, wie die Stiftung heute mitteilte. So wolle die Allianz-Kulturstiftung 1,38 Millionen Euro für den Wiederaufbau des Rokokosaals zur Verfügung stellen.

Hilfe zugesagt hat heute auch der Mannheimer Brockhaus-Verlag. Von jedem verkauften Exemplar des "Brockhaus Literatur" gingen drei Euro an die Anna-Amalia-Bibliothek. Auch der Erlös des weihnachtlichen Bücherverkaufs für Verlagsmitarbeiter werde in diesem Jahr nach Weimar fließen. Der Fernsehsender 3sat rief ebenfalls zu Spenden auf. Der Sender will nach eigenen Angaben dazu beitragen, dass die Bibliothek vollständig wieder aufgebaut werden kann.