"Big Brother" Unerwarteter Doppelauszug in Hürth
51,5 Prozent der Fernsehzuschauer hatten für den Abgang von Manuela gestimmt. Kandidatin Kerstin (40,7 Prozent) machte ein vorher gegebenes gegenseitiges Versprechen wahr und ging freiwillig mit.
Hürth erlebte zwei Wochen nach dem spektakulären Ausscheiden des inzwischen als "Kult-Star" gehandelten Mazedoniers Zlatko den zweiten großen Ansturm von Big Brother-Fans. Hatten bei dessen Ausscheiden noch mehr als 7000 Menschen die Ordnungskräfte vor Riesenprobleme gestellt, so wurde die Zahl der Fans rund um den Wohncontainer jetzt von vornherein auf 3000 begrenzt. Auch die Polizei reagierte auf massive Beschwerden von Anwohnern. Die Zufahrtsstraßen wurden teilweise gesperrt, eine ab Nachmittag nicht mehr abreißende Autoschlange wurde weiträumig am Zentrum des Geschehens vorbei geleitet. Ein Beamter: "Nachdem Zlatko gegangen war, haben die hier Vorgärten verwüstet, auf offener Straße uriniert und wer weiß was noch."
Kurz vor Bekanntgabe des neuen Zuschauervotums drohte das Geschehen zu eskalieren. 800 Big Brother-Enthusiasten, denen der Eintritt auf das Studio-Gelände verweigert worden war, besetzten Dächer der umliegenden Häuser und mussten von einem massiven Polizei-Aufgebot wieder beruhigt werden. Direkt am roten Teppich, der für die Ausscheidenden ausgelegt war, drängten sich ab Mittag die Anhänger der verschiedenen Kandidaten und lieferten sich bei strömendem Regen immer wieder Sprechchor-Duelle.
Zwar übertönten die "Manu raus"-Rufe alle anderen stimmlichen Anstrengungen, aber auch die mit "Jürgen, Jürgen" immer wieder lautstark geäußerte Sympathie für den Feinblechner aus Köln ließ auf eine große Fan-Schar schließen. Auf vielen Transparenten wurde ebenfalls unmissverständlich Meinung geäußert. "Jürgen forever" oder "Manu halt durch" war zu lesen.
RTL-2-Moderatorin Sophie Rosentreter wagte einen kläglichen Versuch, die grölende Menge ein wenig zu beruhigen, ihre Worte gingen aber weitgehend unter. Die Organisatoren des Spektakels schienen die Dramatik ohnehin noch weiter steigern zu wollen. Direkt rechts vom roten Teppich versammelten sie über 50 mit entsprechenden T-Shirts ausstaffierte "Sabrina"-Fans, links davon konnten Anhänger von Manu ihren Star erwarten. Das Geschehen in der Sendung verfolgten die 3000 über eine große Video-Leinwand. Tauchte dort nur für Sekunden Zlatko auf, war der Jubel riesig und einstimmig.
Die Sendung am Sonntag haben insgesamt rund drei Millionen Fernseh-Zuschauer gesehen. Das entspricht nach Angaben von Stoffels-Mediaconsulting, der PR-Agentur der niederländischen Produktionsfirma Endemol, einem Marktanteil von 23,6 Prozent in der Gruppe der 14- bis 49-Jährigen. Die Quote liege damit "im guten Durchschnitt" der insgesamt sehr gut laufenden Sendung.
Bei den restlichen WG-Mitgliedern Alex, Andrea, John, Jürgen und Sabrina geht das am 28. Februar für 100 Tage gestartete Zusammenleben weiter. Neben den aufgetretenen Spannungen in der Gruppe dürfte interessant sein, wer auf dem Weg zum Gewinn von 250.000 Mark als "Ersatzmann" für Kerstin einziehen wird. Nach den Regeln werden freiwillig ausscheidende Kandidaten durch Nachrücker ersetzt. Das war auch der Fall, als die 20-jährige Jona einen Rückzieher machte. Sie wurde in der vergangenen Woche durch die Dachdeckerin und rheinische Frohnatur Sabrina, 32, ersetzt.
Wolfram Lumpe