Twitter-Aufruhr Ärger für die "Bild"-Zeitung wegen Vergewaltigungswitz
"Bild"-Chef Kai Diekmann: "Lachen mit 'Bild'"-Text sorgt für Twitter-Debatte
Foto: Jens Kalaene/ picture alliance / dpaHamburg - Er ist wieder da. Vor rund einem Jahr hat der Aufschrei-Hashtag, angestoßen durch die Brüderle-Debatte, die Twitter-Timeline ein paar Wochen lang dominiert. Frauen benutzten ihn zur Verschlagwortung ihrer Erlebnisse zum Alltagssexismus in Deutschland - und davon gab es offenbar viel zu berichten. Dann war es wieder ruhiger geworden, andere Themen rückten in den Vordergrund. Nun aber könnte die "Bild"-Zeitung #aufschrei wiederbeleben - allerdings wohl eher unfreiwillig.
Anlass für den Aufruhr bei Twitter ist ein kleiner Elfzeiler, abgedruckt am 18. März unter der Rubrik "Lachen mit 'Bild'", in der Überschrift eingeleitet mit "Narben-Witz" - nur dass viele das, was darauf folgte, überhaupt nicht komisch fanden. Der "Witz", den man wiedergeben muss, um über seine Brisanz sprechen zu können, geht so:
"Zwei Freunde unterhalten sich: 'Wieso bist du so zerkratzt?' - 'Ich habe letzte Nacht um die Ehre einer Frau gekämpft!' - 'Und?' - 'Sie wollte sie behalten!'"
"Vergewaltigung? Oh wie lustig!", schreibt @lilithMuc dazu . "Das ist widerlich", kommentieren den "Bild"-Humor noch andere Nutzer. Und @reiermeister ergänzt : "Wenigstens wissen wir jetzt, wo all die alten Säcke mit ihren Zoten geblieben sind. Sie arbeiten bei der @BILD."
"Wer über so etwas lacht, sollte auch mal nachts rennen müssen", schreibt @Dueseberg. Andere weisen darauf hin, was man denn bitte von der "Bild"-Zeitung erwartet habe, oder zitieren das oft bemühte Sprichwort: "Über Humor lässt sich streiten."
Manchmal ist es aber auch ganz einfach, könnte man darauf erwidern. Denn letztlich geht es nicht um Political Correctness, sondern darum, dass die größte deutsche Boulevardzeitung einen Text abdruckt, der sich offensichtlich an einer versuchten Vergewaltigung ergötzt.
Auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE teilte ein Springer-Sprecher mit: "Die 'Bild'-Witze leben davon, auch ab und an ein bisschen an der Grenze des guten Geschmacks zu kratzen, und das darf Humor ja bekanntlich auch." Der Sprecher räumt aber ein, dass es zu dem Witz auch Diskussionen in der Redaktion gegeben habe.
Zu dem Aufschrei-Hashtag ist in der Twitter-Debatte übrigens noch ein weiterer hinzugekommen: #rapeculture.