Blauer Hahn auf viertem Sockel vom Trafalgar Square - DER SPIEGEL
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London: Kikeriki in blau

Foto: WILL OLIVER/ AFP

Trafalgar Square Der deutsche Anti-Macho-Gockel auf'm Sockel

Die deutsche Künstlerin Katharina Fritsch will mit ihrer Skulptur das britische Patriarchat anprangern, für andere ist ihr Werk einfach ein fetter Farbklecks. Seit Donnerstag steht auf dem Trafalgar Square in London ein riesiger, blauer Hahn.
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London - Fast fünf Meter hoch ist er, der blaue Hahn, der von nun an neben Reiter-Statuen auf einem Sockel auf dem berühmten Trafalgar Square in London thront. 18 Monate lang wird die Plastik "Hahn" der deutschen Bildhauerin Katharina Fritsch dort in direkter Nachbarschaft der Siegessäule von Admiral Nelson stehen.

Der ultramarinblaue Hahn hellt nicht nur die eher graue Architektur des Platzes auf, sondern er soll, so die Künstlerin, auch einen Bezug zu der "von Männern beherrschten britischen Gesellschaft herstellen und auf Gedanken des biologischen Determinismus hinweisen", wie es in einer Mitteilung hieß.

Die 57-jährige Künstlerin und Professorin für Bildhauerei an der Kunstakademie Düsseldorf hat mit lebens- und auch überlebensgroßen Darstellungen von Menschen und Tieren in intensiven Farben internationalen Ruhm erlangt. Ihre Auswahl für London hat sie vermutlich sehr bewusst getroffen: Sowohl das Ultramarinblau als auch der Hahn sind Symbole für Frankreich, das 1805 von den Briten in der Schlacht von Trafalgar besiegt worden war - ein ironischer Kommentar zum Chauvinismus, sowohl in seiner nationalen wie auch in seiner geschlechtsspezifischen Ausprägung. Und die Wahl des Tiers ist in diesem Zusammenhang ja auch insofern treffend, weil das englische Wort "cock" sowohl einen Hahn bezeichnet - als auch das Geschlechtsteil des Mannes.

Bei der Enthüllung der Plastik am Donnerstag war auch Londons Bürgermeister Boris Johnson anwesend. Er sagte, das "phantastische Werk" werde zweifellos ein Anziehungspunkt für Einheimische und Touristen.

Der vierte Sockel auf dem Trafalgar Square war ursprünglich 1841 für eine weitere Reiter-Statue gebaut worden, die aber nie fertiggestellt wurde. Seit acht Jahren werden dort nun zeitgenössische Skulpturen ausgestellt. 2009 etwa gab der Künstler Antony Gormley 2400 Menschen die Gelegenheit, für eine Stunde selbst zum Kunstwerk zu werden, indem sie sich auf der Plattform postieren. Die Aktionen sind jedoch nicht unumstritten, eine Protestgruppe nennt sie "völlig unangemessen".

Der blaue Hahn beendet diese Ära ohnehin; laut "Times" soll er das letzte zeitgenössische Kunstwerk sein, das an dieser Stelle zu sehen sein wird.

vks/dpa/AP