Bolschoi in der Krise Putin greift ein
Moskau - 2001 werde mit der Renovierung des stark baufälligen Gebäudes begonnen, teilte der Kreml am Montag mit. Die Kosten der Renovierung werden auf mehr als 400 Millionen Mark geschätzt. Gleichzeitig soll nach dem Willen Putins ab sofort ein Generaldirektor das ehemalige Vorzeigetheater der Sowjets leiten.
Der russische Präsident unterstellte das Theater, das bislang direkt dem Kreml unterstand, dem Kulturministerium. Dem Erlass nach solle es auch weiterhin als ein Sonderposten aus dem föderalen russischen Haushalt finanziert werden, meldete die Agentur Interfax.
Der neue Generaldirektor soll von Kulturminister Michail Schwydkoi vorgeschlagen und von Putin bestätigt werden. Kandidaten wurden zunächst nicht genannt. Der Generaldirektor werde zwei Stellvertreter, darunter einen künstlerischen Leiter, haben, hieß es. Bei der Neuordnung blieb zunächst unklar, was aus dem bisherigen künstlerischen Leiter, dem Tänzer Wladimir Wassiljew, und dem technischen Direktor Wladimir Kokonin werden sollte.
Das Bolschoi-Theater, dessen Ballett- und Opernaufführungen Weltruf genossen, leidet seit Jahren unter Geldmangel. Kritiker bemängeln die Ideenlosigkeit der Inszenierungen. Im März hatte Wassiljew in einem dramatischen Aufruf über die Unesco Kulturinstitutionen in aller Welt gebeten, Geld für die Renovierung zu spenden. Unter anderem in Deutschland und Frankreich gab es Wohltätigkeitsvorstellungen.
Kulturminister Schwydkoi, der selbst Theaterwissenschaftler ist, hat in den letzten Monaten den Machtbereich seines Ministeriums erheblich ausgedehnt. Unter anderem übernahm er das bisherige Staatskomitee für Film Goskino.