Boris und die S-Klasse "Geht das schon / noch lange?"
Mittwochmittag, die "Bild" liegt auf den Schreibtischen. Und hat einmal mehr Nachrichten zu bieten, die das Land erschüttern: "Boris & Babs geben Trennung bekannt". Peter K., häufiger Besucher im Usenet-Forum de.talk.tagesgeschehen, hatte das vorhergesehen: "Na, darüber habe ich genau vor einer Woche mit meinem Mädel debattiert. Wieso ist die eigentlich mit dem zusammen, hab ich gefragt. Meine Spekulation war: Die lässt sich bald von dem scheiden und muss nie wieder arbeiten. Wenn sie es denn je getan hat..."
Und Michael ergänzt feinfühlig: "Hoffentlich hatte sie den Werbevertrag mit Coca Cola über 2,5 Millionen schon unterschrieben, bevor die Trennung erfolgte. Ihr Marktwert dürfte nach der Trennung nämlich erheblich gesunken sein."
Im Gegensatz zu einer jungen Dame, die angeblich hinter der Trennung steckt.
Ach, schön war die Zeit, als es Deutschland noch genug war,
a) einen ausgeprägten Sprachfehler vorzuweisen oder
b) Sozialarbeiter zu sein und dabei leidlich singen zu können,
um zum national umjubelten, international ignorierten Popstar zu avancieren.
Doch heutige Stars kommen nicht mehr aus "t-t-tieff im Wehesssstehen, wo d-d-die Ssssonne ver-ssssihihinkt", sondern aus Hessen. Trotz weitgehenden Verzichts auf den Einsatz heimischer Mundart macht das den Gesang nicht verständlicher - was heute aber weniger phonetische als vielmehr grammatikalische, semantische, semiotische und idiotische Gründe haben dürfte.
Beispiel gefällig?
"wenn p lacht weil der beat kracht
ich fliess' wie 'n bach über euch komm' wie 'n dach
mcs wie schach spiel' warum? weil mein rough stil
'n bisschen krass für den tag is' man ihn besser bei nacht spielt
was soviel heisst wie tell 'em don
ey yo when my sista come u better leave your lights on
but she only gettin' warm dann geh' ich höha und schnella
glaub mir cinderella holt den hiphop aus 'em keller baby"
Dieser einfühlsame Text nicht näher zu definierenden Inhalts stammt - angeblich - aus der Feder von Sabrina Setlur, deren verwirrende Ausdrucksfähigkeit - glaubt man "Bild" - einen Mann wie Boris B. zutiefst beeindruckt haben muss. Wir erinnern uns: Boris "Bumm Bumm" Becker war dieser etwas linkische Junge mit der kleinen Narbe am Knie, der vor Äonen die Herzen der Nation eroberte, weil er so schön "ähemen" konnte und "mental nich so doll drauf" war, ab und zu.
Inzwischen ist er weltgewandter Geschäftsmann, wirbt für Onlinedienste, verkauft Autos und denkt wahrscheinlich nur noch selten zurück an die schönen, wilden Tage der Jugendzeit, als er - ganz Mann der Straße - versuchte, die Jungs von der Hafenstraße zur Diskussion im Rahmen des Tennisturniers am Rothenbaum zu laden. Ha, das waren noch Zeiten!
Doch was kam danach? Der Absturz in die Enge des bürgerlichen Lebens. Die Liebe zu Babs, die Musterehe, die Beraterverträge, das ganze, langweilige Brimborium des ewig heiteren, stets exponierten Musterbürgerlebens.
Er, Boris, Musterknabe, konnte sich keine Eskapaden wie Jürgen S. leisten, besoffen grölend auf römischen Treppen ertappt und doch Mega-mächtiger Auto-Manager. Nein, was in der Wirtschaft den "harten Kerl" ausmacht, zerschießt in der Welt des Sports das "Vorbild".
Nun bricht er aus, berichten die Medien landauf, landab: Boris ist wieder zu haben!
Und mit wem lässt er sich ein?
Mit dem absoluten Gegenbild der braven Babs! Mit einer echten Rebellin - zumindest gegen die Sprache:
"es tut mir leid, dass wenn ich schreib' ich illusionen zerstören muss
manch einer dachte vielleicht, dass weil ich jetzt reich bin er nix mehr von
mir hören muss
aber mich törnt 'n gutes playback so an, dass ich gar net anders kann
als flammende scheisse drauf zu bannen die kickt wie chan oder van damme
schon steht ihr stramm und dann oh mann is' die dick mann
so wie mich die flows eben geschickt ham reime gekickt ham rockt die 's
haus und das wigwam"
Äh, ja. Mental irgendwie auch nicht so gut drauf.
Wigwam hin oder her, bei den Fans zumindest kommt die Nachricht gar nicht so schlecht an.
"Was gibt's Neues von Dir und Boris? Geht das schon lange?" fragt Fan "frances" am Dienstagabend im Fan-Forum der Setlur-Site. Sabrina, ganz Dame, enthält sich jedes Kommentars. Sie weiß ja: Ungemach droht nicht etwa von den so oft männlichen Fans, sondern von der weiblichen Konkurrenz:
"wenn ihr schlau wärt bliebt ihr fotzen besser stumm
statt dessen macht ihr weiter rum und lallt ich find' sabrina dumm
hm was wiederum auf gegenseitigkeit beruht
aber vielleicht isses net so gut, dass ihr euch gegenseitig soupt
und solang' cool tut bis ihr fotzen selbst daran glaubt
hohle visionen aufbaut und aggressionen aufstaut"
Zum Glück verfügt die junge, äh, Dame über ein gesundes Selbstbewusstsein.
"denn wer cooler als erlaubt is' wird irgendwann ma' aufgetaut
und bevor du für mich 'ne art bedrohung wirst wirst du fotze astronaut
diese braut haut ins auge und kaut
net wie ihr geklaute kacke nach wie xavier sag' ich's laut
ich raub' euch flaschen eure maschen pack' euch in taschen und schick'
euch auf reise
shit is tricky bissi wie ricky wenn ich auspack' schreit ihr scheisse"
Jo, ey. Da pass mal besser auf, Boris, Mann, ey.
Textzitate: Lied "Setlur 2000", aus dem Album "Aus der Sicht und mit den Worten von ... Sabrina Setlur" (1999).