"Brenda Starr": Comic-Pionierin Dale Messick gestorben - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

"Brenda Starr" Comic-Pionierin Dale Messick gestorben

Rote Mähne, Highheels, Designer-Dress: So trat die Reporterin Brenda Starr 1940 in Aktion. Die Heldin der gleichnamigen Cartoon-Serie kämpfte sich im Bond-Stil durch wilde Abenteuer und machte ihre Schöpferin Dale Messick zum Star. Jetzt ist die amerikanische Zeichnerin im Alter von 98 Jahren gestorben.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Schön wie Rita Hayworth, cool wie 007: Brenda Starr, Jahrgang 1940, eroberte als Top-Reporterin in Windesweile ein riesiges Publikum. So eine Cartoon-Heldin hatte Amerika noch nicht gesehen: Mit gewagten Dekolletés, Pfennigabsätzen und glamourösem Rotschopf ausgestattet, glich Starr mehr einem Mannequin als einer Journalistin.

Wie eine Journalistin letztlich auszusehen hat, war Dale Messick aber egal: Die am 11. April 1906 geborene Zeichnerin wollte eine attraktive Heroine schaffen, die Sex-Appeal und Professionalität, Abenteuerlust und Intellekt vereint. Konsequent also, wenn Brendas Vorname sich auf eine der damals gefragtesten Debütantinnen der New Yorker Gesellschaft bezog; der Nachname verweist auf ihre Rolle als Starschreiberin der fiktiven Zeitung "The Flash".

Eigentlich hatte Messick eine Karriere als "Girl Bandit", als weiblicher Gangster für Brenda vorgesehen. Joseph Medill-Patterson, der Gründer der "Daily News of New York" und Kopf des Chicago-Tribune- und New-York-News-Syndikats, überzeugte sie jedoch, aus Starr einen Reporterin zu machen.

Riskant blieb Starrs Leben dennoch: Während der Kriegsjahre jagte sie Spione und Bösewichter, kämpfte gegen Haie und Riesenkraken und brachte - ganz Patriotin - als Werbeträgerin Kriegsanleihen unters Volk. Nebenbei fand der Welt schickste Reporterin Zeit für eine heiße Romanze mit Basil St. John, einem athletischen Sexprotz mit Quadratkinn und Augenklappe.

Leider litt John an einer exotischen Krankheit, die ihn zu Reisen in entlegene Dschungelregionen zwang, wo er das lebensspendene Elixier der schwarzen Orchidee zu finden hoffte. In seiner Abwesenheit habe Starr mehr Verehrer gehabt als Penelope, schrieb die "New York Times", doch die Reporterin blieb ihrem Abenteurer treu, der allerdings kurz nach ihrer Heirat 1976 auf der Orchideenjagd spurlos verschwand.

"Brenda Starr, Reporter" hingegen ist bis heute präsent, auch wenn Messick sich Mitte der Achtziger von ihrem Posten als Chefzeichnerin zurückzog. Zeitweise erschien der Comic-Strip in 250 US-Zeitungen und wird bis heute vom News-Syndikat der "Tribune" lizensiert. Umtriebig blieb auch Messick, die studierte Künstlerin, die als Gestalterin von Grußkarten begonnen hatte: Mitte der Neunziger kreierte sie "Granny Glamour", eine alte Comic-Dame die das kalifornische "Oakmont Gardens Magazine" mit flotten Sprüchen versorgte. Zitat: "Cool ist, wenn der Herzschrittmacher deines Alten das Garagentor in Gang setzt."

Auch privat glänzte Messick mit Lebensfreude und Sinn für Humor. Bereits 80 Jahre alt, erfreute sie sich dreier Liebehaber. "Alle drei zusammen würden immer noch keinen guten Charakter ergeben", sagte sie der "New York Times". "Aber in meinem Alter kann man nicht allzu wählerisch sein."

Ihre Comics hingegen waren erste Wahl - und schrieben Cartoon-Geschichte. Am vergangenen Dienstag ist Dale Messick im Alter von 98 im Sonoma County, Kalifornien, gestorben.