Bühnen und Premieren: Andreas Schlager - DER SPIEGEL
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Bühnen und Premieren Andreas Schlager

Lieber bergsteigen als in der Kantine hocken ­ der österreichische Schauspieler ist auf dem Weg nach oben.
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Ödipus ist auch nicht mehr das, was er mal war. Ein verunsicherter, leise sprechender Typ mit halblangen Haaren steht da auf der Bühne, und er hat ein T-Shirt an, auf dem zu lesen ist: "I did it", ich selbst habe meinen Vater umgebracht. Und das soll ein König sein?

Andreas Schlager, 39, der Ödipus-Darsteller in Martin Kusejs Stuttgarter Inszenierung von 1997, hat so gar nichts von einem tragischen Helden, erst recht nicht, wenn er einem gegenübersitzt. Kleiner, kräftiger wirkt er als auf der Bühne, er redet lebhaft und lächelt dazu entwaffnend.

Bühnenfiguren aus längst vergangenen Zeiten von entschieden heutigen Menschen spielen zu lassen ­ das ist eine der Methoden, mit denen der Erfolgsregisseur Kusej weit entfernt wirkende Stücke wie den "König Ödipus" an die Gegenwart heranholt. Auch Kusejs neues Projekt ist ein Fall für Schlager: Er spielt den Studenten in Strindbergs etwas verquastem Moralstück "Gespenstersonate", in dem eine Ansammlung von Großbürgern nach und nach entlarvt wird: Jeder hat eine Leiche im Keller. "Es ist ein Stück über den Verlust der Unschuld", sagt der Schauspieler.

Kusej sei genau der richtige Regisseur für das spröde Werk: "Er hat eine irre Pranke, schaut unsentimental auf die Dinge, ohne kalt zu sein." Die Inszenierung hatte gerade in Klagenfurt Premiere; die "Süddeutsche Zeitung" urteilte: "Ein grandioser Totentanz". Von März an ist sie in Hamburg zu sehen.

Fast ein Dutzend Rollen hat Schlager schon bei Kusej gespielt: vom Ferdinand in "Kabale und Liebe" bis zum Graham in Sarah Kanes "Gesäubert". Die beiden Österreicher kennen sich seit elf Jahren.

Zur Schauspielerei fand Schlager erst mit 23. Angefangen hat er am Wiener Volkstheater, seit 1993 ist er Mitglied im Stuttgarter Ensemble. Er brennt zwar für seinen Beruf, sagt er, aber er spricht lieber über seine Sicht auf die Welt ­ die politische Lage in Österreich macht ihm Sorgen ­ als auf das Theater: "Ich bin ein Theaterflüchtling, ich sitze nicht stundenlang in der Kantine." Lieber gehe er bergsteigen, wellenreiten oder mountainbiken. "Für mich ist wichtig, zu leben und Spaß zu haben", sagt Schlager, und als ahnte er, dass er langsam zu alt wird für diesen Satz, fügt er hinzu: "Es muss was von dir übrig bleiben, wenn's im Beruf mal nicht so läuft."

Die größten Momente auf der Bühne erlebe er nicht, wenn der Applaus aufbrandet, sondern mitten im Spielrausch, "in diesen seltenen Spannungsmomenten, wenn sogar die Verkühlten vergessen zu husten". Diesen Rausch hat er auch zum Jahrhundertwechsel gesucht. Statt auf einer Silvesterparty stand er auf der Stuttgarter Bühne ­ als Ödipus.

Anke Dürr

Hamburger Premiere am 11.3. im Thalia Theater. Auch 12., 15., 21., 27., 28.3., Tel. 040/32 81 44 44.

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