Castro-Geliebte Ein kinoreifes Leben
Köln - Der Journalist Wilfried Huismann machte aus der aufregenden Vita der gebürtigen Bremerin den Film "Lieber Fidel - Maritas Geschichte", der am Ostermontag, 16. April, um 21.45 Uhr in der ARD zu sehen ist. Unter dem gleichen Titel kommen am 9. April auch die Memoiren von Marita Lorenz in den Buchhandel.
Für Fidel Castro hegt sie noch immer große Gefühle - obwohl er ihr Leben versaut hat, wie sie sagt. Mehrere Monate lang war die damals 19-Jährige die Geliebte Castros. Damit nahm ihr rastloses Leben in Zeiten des Kalten Krieges ihren Lauf, von dem sie noch heute mit funkelnden Augen berichtet. In der Anfangssequenz des 90-minütigen Films öffnet Lorenz ihre Seemannskiste mit alten Fotos und Andenken als Essenz ihres Lebens. In ihren Erzählungen ist nicht immer auszumachen, wie nah die Erinnerungen einer überprüfbaren Wahrheit kommen.
Eine Überlebenskämpferin durch und durch
"Ich musste immer, im ganzen Leben, rennen - ich weiß nicht, wohin", sagt Lorenz im Film über ihr Leben. Als Kind war sie mit ihrer Mutter im Konzentrationslager Bergen-Belsen interniert. Nach dem Krieg wurde die damals Siebenjährige von einem amerikanischen Soldaten bei einer Geburtstagsfeier vergewaltigt. Um Abstand zu diesen Erfahrungen zu gewinnen, fuhr sie als blinder Passagier auf der "Berlin" mit. Es war jenes Schiff, auf dem ihr Vater Kapitän war. Als Fidel Castro in Havanna an Bord des Schiffs kommt, verliebt sie sich Hals über Kopf in ihn. "Sonst wäre ich bestimmt in Deutschland geblieben, hätte geheiratet - diese Begegnung hat alles geändert", sagt Lorenz.
Als die junge Frau von Castro ein Kind erwartet, wird die im sechsten Monat Schwangere zu einer Zwangsabtreibung verschleppt und später vom CIA rekrutiert. Als sie sich weigert, als "covert operative" Castro zu töten, wird sie zu weiterer Agententätigkeit verpflichtet. Denn der amerikanische Geheimdienst sah in ihr eine Agentin, die belastbar genug war.
Sie bleibt in diesen Kreisen gefangen. Im Jahr 1963 ist sie mit CIA-Kollegen in Dallas, als US-Präsident John F. Kennedy ermordet wird. Das Pikante: Unter ihren Begleitern befindet sich auch der mutmaßliche Mörder Lee Harvey Oswald. Nachdem sie ihr Wissen zehn Jahre später vor dem Kennedy-Untersuchungsausschuss preisgibt, wird sie gefeuert. Marita Lorenz selbst bezeichnet sich als "eine von zwei Leuten, die über das Kennedy-Attentat Bescheid wissen und noch leben".
Sie übersteht mehrere Anschläge gegen sich und ihre beiden Kinder. Tochter Monica entsprang der Liaison mit dem früheren Diktator Venezuelas, General Marcos Pérez Jiménez. Sohn Mark stammt aus ihrer Ehe mit einem FBI-Agenten.
Sehnsucht nach dem Ort der Kindheit in Bremen
Huismanns Film mischt ebenfalls Dokumentation und Inszenierung: In suggestiven Bildern mit roter Unterwäsche auf weißen Laken und Havanna-Zigarren auf dem Tisch ist das Liebesnest von Marita und Fidel nachgestellt worden. Die heute 61-jährige Lorenz wirkt immer noch romantisch-verklärt und hofft, Castro ein letztes Mal wiederzusehen.
Die Veröffentlichung des Films und ihres Buchs sieht Lorenz als Möglichkeit, in ihre Geburtsstadt Bremen zurückzukehren, in ein Haus "mit Garten und einer Kuh". Sie ist sicher, dass auch ihre Kinder sie begleiten werden, obwohl sich die Tochter im Film sehr distanziert zeigt. Der Film über diese ungewöhnliche Biografie ist mit zehn Kopien noch in deutschen Kinos vertreten und soll in diesem Jahr beim Filmfestival im tschechischen Karlovy Vary (Karlsbad) laufen.