Celebrity Death Match Brutales Sendungsbewusstsein
Stuttgart - Manchmal hat Andy Kaiser so richtig schlechte Laune. Weil die Sonne nicht scheint, weil der VFB mal wieder verloren hat, oder weil seine Freundin den Weg zu seinem Büro nicht findet. Wenn er dann an so einem Tag Stefan Raab in die Finger bekommt, kann das böse enden. Dann fasst er ihn hart an, knetet ihn so richtig durch, schubst ihn ein wenig herum. "Der hat so viele Leute beleidigt, da muss er auch mal leiden."
Heute hat Andy Kaiser allerdings gute Laune. Vor kurzem hat der Trickfilmer sein bisher größtes Projekt abgeschlossen und sitzt jetzt im Loft der Firma "Film Bilder" vor dem Fenster. Sitzt da, im fünften Stock einer ehemaligen Fabrik, und die Stadt unter ihm wirkt im Sommerlicht wie das, was die Stuttgarter Berge nennen. Trickfilm hat er auf der Filmhochschule Ludwigsburg gelernt, aber begonnen hat er schon viel früher: "Mir ging es schon immer darum, eigene Welten zu erschaffen", sagt Kaiser, von dessen Händen sich die blaue Kreide nicht abwaschen lässt. Ein sanfter Träumer mit sadistischer Ader.
Stefan Raab liegt blutverschmiert auf dem Tisch, neben ihm eine verschmorte Leiche und ein Körper ohne Kopf: unbekannt, anonym, im Smoking, drum herum liegen Flaschen, vielleicht soll es Harald Juhnke sein. Kaiser, der neue Folterknecht der Hochprominenz, führt Regie bei der deutschen Version der amerikanischen Trickfilm-Serie "Celebrity Death Match" (CDM), in der Knetmassen-Klone der Stars übereinander herfallen - bis zum bitteren blutigen Ende.
In Amerika ist die Sendung längst Kult, Millionen Menschen sitzen jeden Samstag zur besten Sendezeit vor dem Fernseher und schauen zu, wie Sylvester Stallone und Arnold Schwarzenegger sich blutig abschlachten. Ein Renner sind auch die Puppen zur Serie. Ein Kinofilm ist geplant.
Die Serie ist so erfolgreich, weil sie so brutal ist. Im ewigen Kampf mit Viva um die Jugendleitkultur soll CDM mit deutschen Texten und Opfern nun MTV den entscheidenden Vorsprung verleihen. Denn normalerweise liest MTV Menschen auf der Straße auf und schießt sie hoch in den Himmel, von wo sie dann als Stars leuchten. In CDM knallen die Popstars und Schauspieler auf den harten Ringboden der Tatsachen. Nach fünfzehn Jahren Musikfernsehen ist CDM das letzte alternative Produkt im durchgestylten Videoeinerlei.
Am 21. Juni hat die deutsche Version Premiere. In elf Kämpfen kann man dann beobachten, wie Thomas D. und Xavier Naidoo um den Titel des deutschen Rappers mit der abgedrehtesten Spiritualität kämpfen. Und im Showdown der Showmaster wird Stefan Raab am Ende von Harald Schmidts überdimensionalen Gehirn erschlagen. Ein Kampf dauert nur 90 Sekunden. Im amerikanischen Original haben die Trickfilmer sieben Minuten lang Zeit, um die Prominenten langsam ausbluten zu lassen. Deswegen werden richtige Geschichten erzählt und so die Charaktere der Stars karikiert, etwa wenn sich die Gutmenschen Alanis Morissette und Jewel darum prügeln, Geld für Robben zu spenden.
Wenn die Stars vorgeführt werden, dann auch die Gesellschaft, die sie anbetet. Eigentlich ist "Celebrity Death Match" sehr politisch. Eine Sendung mit Sendung. Irgendwie. "Wir hatten natürlich nicht so viel Zeit", meint auch Andy Kaiser und denkt wahrscheinlich an all die Ideen, die dem Zeitmangel zum Opfer gefallen sind. Kaiser und Thomas Meyer-Hermann, Geschäftsführer der verantwortlichen Trickfilmproduktionsgesellschaft "Film Bilder" mussten sich folglich auf das wesentliche konzentrieren, die Gewalt...
Lesen Sie im zweiten Teil, wie sich bemaltes Klebeband in herausquellende Gedärme verwandelt, und wie locker amerikanische Promis mit ihren Knet-Klonen umgehen - ganz im Gegensatz zu den deutschen "Opfern"...