Claus Peymann als Auktionator: Vater der Klamotten - DER SPIEGEL
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Claus Peymann als Auktionator Vater der Klamotten

Claus Peymann räumt wieder das Berliner Ensemble auf und versteigert Schätze für Theaterfans. Darunter eine Jacke von Helene Weigel und eine Orchestermuschel. Devotionalien, die keiner braucht - aber Spaß machen und an große Bühnenmomente erinnern.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Claus Peymann ist ein Lautsprecher; man möchte gar nicht wissen, wie oft er in der Schule vom Lehrer eins auf die Finger gekriegt hat, weil er die richtige Antwort mal wieder reingerufen hat, obwohl er nicht dran war.

Kein Wunder also, dass der Job, den er sich heute gegeben hat, zu seinen liebsten gehört - neben dem des Alleinherrschers über das Berliner Ensemble natürlich, den der 71-Jährige noch bis 2011 sicher hat: Peymann darf den Auktionator geben und dabei, so laut es geht, über den Hof des Berliner Ensembles rufen, dass ihn auch ja alle hören: "Zum ersten, zum zweiten …"

Das Berliner Ensemble wiederholt seine erfolgreiche Aktion aus dem Jahr 2005 und räumt seinen Fundus leer. Damals wurde unter anderem das Mobiliar der legendären Kantine versteigert, von Helene Weigel noch selbst ausgesucht und von unzähligen Theaterlegenden benutzt. Es wurde viel darüber diskutiert, ob man solche Heiligtümer einfach so nach Mutter-Courage-Art verhökern darf; aber die Devotionalien gingen natürlich weg wie nix.

Auch diesmal sind schöne Sachen dabei: Eine alte Jacke von der Weigel hat man noch irgendwo ausgegraben, außerdem steht die Orchestermuschel zum Verkauf, in der Jean Anouilhs "Orchester" in der Inszenierung von Jutta Ferbers saß, sowie das Zauberbuch aus Peymanns Uraufführungsinszenierung von Peter Handkes "Spuren der Verirrten", das qualmen, brennen und zum Glück auch Wasser spritzen kann.

Diese Dinge sind nicht ganz so alt wie die Weigel-Jacke (beide Produktionen hatten erst 2007 Premiere), was man als Zeichen der immer schnelllebigeren Zeit nehmen kann - oder schlicht als Hinweis darauf, dass die beiden Inszenierungen nicht gerade Publikumsrenner waren.

Die Orchestermuschel ist weniger geeignet fürs Einzimmer-Appartement, ansonsten aber gilt: bloß nicht irritieren lassen von wohlmeinenden Begleitern, die mit so lästigen Fragen kommen wie: "Wozu brauchst du das denn?"

Man kann natürlich auch einfach ein Plakat ersteigern oder nur gucken kommen - für die Show wird Claus Peymann schon sorgen.


Peymann räumt (wieder) auf. Heute, Samstag, 20.9., ab 16 Uhr auf dem Hof des Berliner Ensembles .