Computerspiel Die Kunst des Munch-Raubs
Sie erschienen maskiert, bedrohten einen Angestellten mit einer Pistole und lösten eine Massenpanik aus: Am 22. August raubten zwei Männer die Werke "Der Schrei" und "Madonna" aus dem Munch-Museum in Oslo. Im Andenkenshop des Museums gibt es nun das Computerspiel "The Mystery of The Scream" zu kaufen. Darin kann der Diebstahl nachgespielt werden.
"Es ist ein absolut unschuldiges Spiel", sagte Museumssprecherin Jorunn Christoffersen zum englischen Nachrichtensender BBC. Der Spieler kann in die Rolle der Räuber oder der Detektive schlüpfen, also entweder Bilder stehlen oder den Raub verhindern. "Manche Menschen denken, dass es schrecklich ist, dem Vorfall spielerisch zu begegnen, aber wir sehen die Sache vollkommen anders", so Christoffersen.
Entrüstete Kritiker gibt es bereits genug. "Generell zeugt es von schlechtem Geschmack, ein Spiel aus dem Diebstahl zu machen", erklärte Kaare Bernsten der BBC. Sie ist die künstlerische Leiterin der Kaare Bernsten Galerie in Oslo. "Ich missbillige das Trivialisieren einer nationalen und internationalen Tragödie, zumal die Gemälde immer noch verschwunden sind."
Dagegen sind die Verantwortlichen des Museums der Meinung, dass das Spiel einen erzieherischen Anspruch umsetze. "Das Spiel beinhaltet 36 Karten mit Kunstwerken, die Kinder kennen sollten", sagte Magnus Skrede vom Spielehersteller Aschehoug. "Auf diese Weise lernt man spielerisch die Vielfalt der Kunst kennen."
Die Diebe hatten neben dem Gemälde "Der Schrei" auch das Bild "Madonna" geraubt. Augenzeugen hatten berichtet, dass den Tätern die Werke mehrmals auf den Boden gefallen wären. Experten befürchten deshalb, dass die ohnehin poröse Oberfläche des Kunstwerks zerstört worden sein könnte. Vor allem die mangelnden Sicherheitsvorkehrungen und das verspätete Eintreffen der Polizei war heftig angeprangert worden.
Das gestohlene Bild "Der Schrei" ist eine von 50 Versionen, die Edvard Munch von dem Motiv angefertigt hatte. Das bekannteste Exemplar in Öl, Tempera und Pastell hängt im Osloer Nationalmuseum. Es war 1994 ebenfalls geraubt worden, wenige Monate später aber an seinen Platz zurückgebracht worden.
Edvard Munch vermachte einen Großteil seiner Werke vor seinem Tod im Jahr 1944 der norwegischen Hauptstadt. Für die Kollektion wurde 1963 das Munch-Museum erbaut. Über 1000 Gemälde, 4500 Zeichnungen und 18.000 Drucke stehen dem Museum für Ausstellungen zur Verfügung. Im Keller sind außerdem Briefe und Fotografien des Expressionisten zu sehen.