Container Köln-Hürth Die Gladiatoren ziehen ein
Köln - Die zehn silbergrauen Luxuslimousinen, begleitet von einer Motorrad-Eskorte der Polizei, ließen lange auf sich warten. Erst um 23.30 Uhr rollten am Montagabend die Karossen im Schritttempo gemächlich auf das Gelände des TV-Produktionsstudios MMC im Kölner Vorort Hürth. Aus den Fahrzeugen entstiegen unter dem Gejohle von fast tausend fröstelnden Fans die zehn Kandidaten der umstrittenen TV- Show "Big Brother", die am Mittwochabend um 20.15 Uhr bei RTL 2 startet. Endlich konnten die fünf Frauen und fünf Männer, die hundert Tage nur fürs Fernsehen in strenger Klausur zubringen werden, ihr Quartier beziehen und ihre Angehörigen ein vorläufig letztes Mal umarmen.
Alle Gladiatoren eint die Hoffnung, als einziger bis zum Schluss der Fernseh-Psycho-Show im 153 Quadratmeter großen Wohncontainer zu bleiben und 250.000 Mark zu gewinnen. Bart, der Sieger der bereits in Holland erprobten Show, ermutigte die Kandidaten mit einer persönlichen Ansprache: "Ich bin jetzt so bekannt in Holland, dass ich auf der Straße angesprochen werde und Berge von Post bekomme", sagte Bart, der in der niederländischen Show mit einer anderen Kandidatin eine Liaison begonnen hatte. "In erster Linie sollt Ihr einfach Spaß haben." Das Bad in der Menge dauerte für die deutschen Mitspieler nur Sekunden: Noch vor Mitternacht bezogen sie den blau- weiß gestrichenen Container mit dem Charme einer ehemaligen DDR- Grenzkontrollstation.
Strenge Regeln müssen die zehn Bewohner, die von 28 Kameras beobachtet und von 47 Mikrofonen belauscht werden, einhalten: Sie dürfen keinen Kontakt zur Außenwelt halten, keine elektronischen Geräte dabeihaben, nicht einmal Papier und Bleistift. Sie dürfen pro Kopf nicht mehr als vier Mark am Tag ausgeben. Die Eier werden von Hühnern gelegt. Das Brot wird selbst gebacken. "Back to the Basic" lautet die ausgegebene Devise der Produktionsfirma Endemol, die einst für so softe TV-Unterhaltung wie Linda de Mols "Traumhochzeit" bekannt wurde. Keiner darf länger als anderthalb Minuten duschen. Jeden Tag muss ein Bericht im Sprechzimmer abgeliefert werden.
Die WG schlägt im Zwei-Wochen-Takt zwei Kandidaten vor, die das Haus zu verlassen haben. Der TV-Zuschauer bestimmt per Telefon, wen von beiden die Keule trifft. Sollte es vielleicht die 26-jährige Kerstin erwischen, gelernte Schauspielerin, die so ungern auf Süßigkeiten verzichtet? Oder die 22-jährige Manuela aus Hamburg, Jura-Studentin, die sich selber mit Claudia Schiffer vergleicht? Oder vielleicht den gelernten Zimmermann John aus Potsdam, der seine Freundin und den einjährigen Sohn zu Hause zittern lässt? Oder den reich tätowierten Zlatko, den Schwaben mit mazedonischer Abstammung, der auf seine Zigaretten auch im engen Container nicht verzichten will. Alexander, Despina, Jana, Jürgen, Thomas und Andrea vervollständigen die bunt zusammengewürfelte Truppe, in der jeder gegen jeden kämpft.
"Big Brother", der bald auch in englischer, amerikanischer und portugiesischer Version produziert wird, ist nur eine Zwischenstation für Endemols Deutschland-Auftritt. Wie Werner Schwaderlapp, für die deutschen Endemol-Produktionen verantwortlich, sagt, wartet auch die TV-Reihe "Der Bus", eine noch härtere "Big Brother"-Variante, auf einen deutschen Kanal. Und RTL 2 steht bald ein weiteres Format ins Haus: Die 16 Stunden lange Besteigung des Himalaya-Gipfels Nanga Parbat durch den österreichischen Bergsteiger Thomas Bubendorfer - fein säuberlich aufgeteilt in Halb-Stunden-Sendungen für die Vorabend-Sendezeit.