Cordula Stratmann: Auszug aus der "Schillerstraße" - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Cordula Stratmann Auszug aus der "Schillerstraße"

Das Sat.1-Erfolgsformat "Schillerstraße" verliert sein Zugpferd: Cordula Stratmann verabschiedet sich endgültig aus der Serie. Nach Angaben ihres Managements braucht sie eine "Luftveränderung".
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Köln - Cordula Stratmann zieht es zu neuen Ufern. "Über 100 Folgen Schillerstraße! Das sind mehr als doppelt so viele wie bei der legendären Rudi Carrel Show", teilte die Komikerin mit. Sie sei zwar wirklich stolz, "ein ganz neues Format mitgeprägt" zu haben, aber nun warteten neue Ideen auf sie. Wie ihr Management gegenüber SPIEGEL ONLINE sagte, wollte Stratmann etwas anderes machen und auch mehr Zeit für ihren Sohn, der im vergangenen Jahr zur Welt kam, haben. Für 2008 stünden gleich drei Projekte an: "Ein Plattenprojekt, eine Fiction-Serie mit Sat.1 und eine neue Bühnengeschichte", wie ihr Manager sagte. Er betonte, dass Stratmann sich von der Sat.1-Improvisationscomedy "im Guten" trenne und eine "Luftveränderung" brauche. Derzeit schreibe Stratmann an einem Buch.

"Schillerstraße" startete im September 2004 zunächst mit einer halbstündigen Sendezeit, die aber wegen des Erfolges verlängert wurde. Seit April 2006 stand dem Team - neben Stratmanns traditionellem Kölner TV-Wohnzimmer - mit der Kneipe "Schillereck" ein komplettes zweites Set zur Verfügung. Ende Januar wurde die 100. Sendung ausgestrahlt. Bei dem Format werden den Comedians einzeln per Knopf im Ohr aberwitzige und scheinbar unlösbare Aufgaben von Spielleiterin Maike Tatzig eingeflüstert. Während das Publikum über Einblendungen eingeweiht ist, bleiben die übrigen Mitspieler ahnungslos und müssen möglichst komödiantisch aus dem Stegreif agieren.

Am heutigen Freitagabend räumt Stratmann ihre Wohnung in der Schillerstraße endgültig. Mit dem Auszug der Komikerin, die die Improvisations-Show zum Erfolg gemacht hatte, ist auch eine Auszeit für die anderen Bewohner angesagt: Der "Schillerstraße" wird eine "halbjährige Kreativpause" auferlegt. Nach Angaben von Sat.1 soll das Format, das in fast 20 Länder verkauft wurde, überdacht und "viel neuer Wind" hereingebracht werden. Möglicherweise werde auch das Set umziehen, eventuell gebe es auch Außendrehs. Comedians wie Annette Frier und Martin Schneider blieben weiter dabei. In der "Schillerstraße" sollen dann aber auch neue Gesichter zu sehen sein.

Die Quoten sind nach Sat.1-Angaben immer noch über dem Senderschnitt, aber zuletzt nicht mehr so zufrieden stellend gewesen. Der Marktanteil lag den Angaben zufolge im laufenden Jahr im Schnitt bei zwölf Prozent bei der werberelevanten Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen. 2004 erreichte er 18,2 Prozent, 2005 lag er bei 17,5 Prozent und 2006 bei 15,7 Prozent. Der Sender glaube weiter an das Genre Impro-Comedy und sei sicher, dass quotenmäßig noch mehr möglich sei, sagte die Sprecherin. Zu den Gästen des Formates gehörten seit 2004 Dirk Bach, Jürgen von der Lippe, Rüdiger Hoffmann, Dieter Nuhr, Wigald Boning und Ingo Appelt sowie Helmut Zerlett, Susanne Fröhlich, Ingo Naujoks, Sven Ottke, Gustav Peter Wöhler sowie Kai Pflaume.

Bekannt wurde Stratmann durch ihre 1992 entwickelte Kunstfigur Annemie Hülchrath, die als regelmäßiger Gast in der Sendung "Zimmer Frei" auftauchte. "Schillerstraße" erhielt den Deutschen Fernsehpreis und den Deutschen Comedy-Preis und wurde auch beim TV-Festival Rose d'Or ausgezeichnet. Stratmann bekam den Deutschen Comedy-Preis als beste Komikerin und eine Goldene Kamera im Bereich Comedy.

mzs/ddp/dpa