Corpus Christi: Morddrohungen gegen Intendanten - DER SPIEGEL
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Corpus Christi Morddrohungen gegen Intendanten

Vor der Aufführung des Stücks "Corpus Christi" im Kasseler Staatstheater am Montag sind Intendant Christoph Nix und seine Familie mit dem Tod bedroht worden.
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Kassel - Die Morddrohungen seien auf die öffentliche Kritik der hessischen Landesregierung an der Aufführung gefolgt, sagte Nix am Montag. Die Polizei räumte das Staatstheater am Nachmittag und durchsuchte die Räume mit drei Sprengstoffsuchhunden und 60 Beamten. Die Aufführung am Abend sollte von Beamten in Zivil gesichert werden, hieß es. Zu Demonstrationen kam es zunächst nicht.

"Für diese Übergriffe, die erst jetzt einsetzen, tragen der hessische Ministerpräsident und die Kunstministerin die alleinige Verantwortung", meinte er. Die Drohungen stammen nach Nix Einschätzung von gewaltbereiten Kreisen, die sich mit dem Etikett "christlich" schmückten.

Die Landesregierung hatte die Aufführung des Theaterstücks des amerikanischen Autors Terrence McNally durch das Theater Heilbronn am Freitag offiziell missbilligt. Dazu sagte Nix, seit Bestehen der Bundesrepublik sei noch kein Intendant in dieser Form von der vorgesetzten Dienstbehörde gerügt und unter Druck gesetzt worden. Die durch das Grundgesetz geschützte Kunstfreiheit erlaube auch eine Auseinandersetzung in religiösen Fragen, selbst wenn ein Teil der Besucher dies als provokativ empfinde. Niemand werde durch die Aufführung daran gehindert, seine religiöse Überzeugung zu äußern und dem gemäß zu handeln.

Auch die thüringische Kunstministerin Dagmar Schipanski hat sich unterdessen in die Diskussion um das umstrittene Stück "Corpus Christi" eingeschaltet. Sie sprach sich dabei für die Gestaltungsfreiheit der Theater aus. "Für die Intendanten der öffentlich finanzierten Theater Thüringens setzte ich voraus, dass sie ihre Gestaltungsfreiheit in Verantwortung der Gesellschaft wahrnehmen", erklärte die CDU-Politikerin am Montag. Die Intendanten verantworteten damit letztlich auch den Inhalt der Stücke.

Demokratie lebe von der Vielfalt und der Auseinandersetzung mit Andersdenkenden, sagte Schipanski. "Das bedeutet für mich zugleich eine Verantwortung dafür, dass ästhetisches Empfinden und religiöse Gefühle der Zuschauer nicht verletzt werden", sagte die Politikerin. Freiheit der Meinungsäußerung und des Theaters seien für sie sehr hohe Güter.

In der umstrittenen Inszenierung stellt der Pulitzer-Preisträger Terrence McNally Jesus und seine Apostel unter anderem als trinkfreudige Homosexuelle dar. Die deutsche Erstaufführung fand im September 1999 in Heilbronn statt und löste vor allem in fundamentalistischen Kreisen eine heftige Kontroverse aus. Auch Morddrohungen gab es bereits. In Kassel ist im Anschluss an die Aufführung eine Podiumsdiskussion geplant, an der neben dem Regisseur Harald Siebler auch Kirchenvertreter teilnehmen sollen. Weitere Aufführungen der Heilbronner Inszenierung sind in Hamburg (28. Juni), Weimar (6. Juli), Tübingen (8. Juli) und Freiburg (18. Juli) geplant.