Daily Soaps Lebenshilfe vom Marienhof
Köln Befürchtet haben wir es längst, nun ist es auch wissenschaftlich belegt: Wenn Jugendliche mit dem Alltag ihre Probleme haben, schalten sie den Fernseher ein und holen sich Rat bei Daily Soaps und Talks. Vor allem "Gute Zeiten, Schlechte Zeiten" oder "Marienhof" seien ständige Begleiter der Teenies und Vorbild in Trends, Mode und Musikstilen, so das Ergebnis eines jetzt in Köln vorgestellten Forschungsprojektes.
Die Sendungen würden "als verlässliches Netzwerk wahrgenommen, das sich über die Phase des Jugendalters spannt und Geborgenheit bieten kann", so die von mehreren Forschungsinstituten im Auftrag der Landesmedienanstalten Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz durchgeführten Untersuchung. Im Klartext: Während Britney Spears und die Backstreet Boys das aprikotfarbene Ikea-Jugendzimmer mit den Wendy-Postern beschallen, träumen die geschmacksverwirrten Girls, sie hätten GZSZ-Bösewicht Jo Gerner zum Pappi und Oli P. wollte mit ihnen gehen.
Das Echo auf die Serien und täglichen Talkshows falle je nach Bildungsstandard verschieden aus, betont die Untersuchung. Die nicht sehr überraschend klingende Erkenntnis lautet, dass vor allem schlechter gebildete junge Mädchen die Sendungen als "Abbild der Realität" sähen. Höher gebildete Jungen nutzten die Sendung eher als Unterhaltungsangebot. Aber auch viele der höher gebildeten Jungen und Mädchen suchten ihre Vorbilder in Daily Soaps und Talks; sie würden jedoch die Sendungen stärker hinterfragen.
Wiederkehrende Charaktere und Episoden binden die Heranwachsenden stärker an Serien als Daily Talks, bei denen lediglich Andreas Türck und Konsorten eine "stabile Bezugsgröße" seien, so die Studie. Vor allem bei den Soaps werde außerdem das Internet als Extra-Forum zu einer "neuen Form zwischenmenschlicher Begegnungen". Um der Verdummung ihrer Sprösslinge entgegen zu wirken, empfehlen die Forscher Eltern, sich ihrem Nachwuchs beim Glotzen als medienpädagogische Begleitung zur Seite zu setzen. Harriet Dreier