"Das Insel-Duell": Reif für die Quote? - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

"Das Insel-Duell" Reif für die Quote?

"Big Brother" und die Folgen: Während bei RTL 2 mit Hochdruck die nächste Staffel des Container-Spektakels vorbereitet wird, versucht Sat 1, den Boom der Reality-Soaps auszunutzen. Das am kommenden Montag startende "Insel-Duell" hat jedoch vor allem mit dem Handicap der Unaktualität zu kämpfen. Der Sender hofft trotzdem auf Quote.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Hamburg - Der erste Programmanbieter, der nach "Big Brother" auf ein ähnliches Format setzt, ist Sat 1: Am Montag (3. Juli) beginnt der Sender im Wochenrhythmus mit der Ausstrahlung seiner neunteiligen Show "Das Insel-Duell": 13 Kandidaten müssen sich auf dem malaysischen Eiland Simbang in der Wildnis durchsetzen - jede Woche wird ein Mitspieler vom "Inselrat" rausgekickt. Der Sieger wird mit 250.000 Mark belohnt.

"Wir wollen vom Big-Brother-Sog profitierten", gibt Sat-1-Sprecher Dieter Zurstraßen zu. "Alle reden jetzt vom 'Big Brother' auf der Insel. Die Erwartungshaltung ist groß." Beim Berliner Sender, der in der Vergangenheit mit Neueinführungen wie "Newsmaker" nicht immer Glück hatte und seit langem um die Gunst jüngerer Zuschauer buhlt, sind die Vorstellungen nicht eben bescheiden: Der Marktanteil des "Inselduells" soll in der werberelevanten Zielgruppe der 14- bis 49-jährigen Zuschauer 20 Prozent erreichen, das "Kai-Pflaume-Show-Niveau", wie Zurstraßen sagt. Rund dreieinhalb Millionen Mark hat der Sender in das Projekt investiert.

Die Vorzeichen für die neue Sat-1-Show waren indes nicht durchweg positiv. Die RTL-2-Konkurrenz hat neben "Big Brother II" und den Reality-Shows "Der Bus" und "Gefesselt" mit der "Expedition Robinson" ebenfalls ein Insel-Projekt in Planung, das aber erst im Herbst gesendet werden soll. Die "Inselduell"-Produktionsfirma Eyeland, eine Tochter des Hamburger Medienunternehmens MME, hätte lieber eine tägliche Ausstrahlung der Show gesehen und nicht einen Wochenrhythmus, der die Gefahr mit sich bringt, dass der Zuschauer sich nicht mehr so recht an das Geschehene erinnern.

Im Gegensatz zu "Big Brother" ist das "Inselduell" zudem kaum als aktuell zu bezeichnen. Wenn der Zuschauer die erste Folge sieht, ist die Produktion schon rund vier Wochen alt. In der Realität sind inzwischen schon einige der Kandidaten von der Insel geflogen. Strengste Geheimhaltung ist daher die Devise - doch wurde sie bereits durchbrochen. Der Kölner "Express" veröffentlichte bereits den Namen der zuerst ausgeschiedenen Kandidatin Nina aus Bochum. Sat 1 beschwerte sich daraufhin beim Verlag DuMont Schauberg und bei der "Express"-Chefredaktion. Die "Bild"-Zeitung, die sich an die Schweigepflicht zunächst hielt, machte aus der Not eine Tugend und brachte später eine große Foto-Geschichte über Nina, die nun eine CD mit Jürgen Drews produzieren soll.

Rüdiger Nehberg, Überlebenskünstler aus Hamburg, kritisierte das Spektakel. Beim dem Ganzen handele es sich um "ein bisschen mehr als Badeurlaub", sagte er kürzlich in einem Interview. "Wenn man unter Beobachtung steht, ist es eben kein Abenteuer, weil man kein eigenes Risiko eingeht." Für Aufsehen sorgte im vergangenen Jahr ein tragischer Vorfall in Schweden. Nach einer ähnlichen Show beging ein Kandidat Selbstmord. Ein Zusammenhang mit der TV-Ausstrahlung konnte jedoch nie nachgewiesen werden.

Carsten Rave