David Hockney "Farbe ist überall"
Die große Retrospektive mit knapp 100 Gemälden gibt erstmals in Europa einen umfassenden Überblick über alle Phasen, Stile und Sujets des vielschichtigen malerischen Schaffens des aus England stammenden Künstlers.
Der in Kalifornien lebende Hockney gilt als einer der bedeutendsten Künstler der Gegenwart. Er setzte sich überaus produktiv, spielerisch und experimentierfreudig mit verschiedenen Medien auseinander - von der Zeichnung bis zu Drucken, Fotografie, Computer und Bühnenbildern. Seine Malerei, die auch mit der Pop-Art in Verbindung gebracht wird, ist Ergebnis ganz unterschiedlicher Einflüsse und Perspektiven und auf keine Stilrichtung festzulegen - das ist in Bonn zu sehen.
Hockney wurde wegen seiner intensiven Farben von Kritikern auch schon als "Illustrator" abgetan. Auch als Popmaler will er sich nicht eingeordnet wissen. Bei der Vorpräsentation der Ausstellung sagte Hockney, die Meinung der Öffentlichkeit oder von Kritikern habe keinen Einfluss auf sein Werk. "Ich male nur für mich."
Die Gemälde Hockneys, der an der Konzeption der Schau mitwirkte, wurden aus der ganzen Welt zusammengetragen. So ist die ganze Breite seiner Arbeiten zu sehen: Von frühen Akademie-Bildern und "Love Paintings" über die berühmten sonnigen-kühlblauen Swimming-Pool-Kompositionen, die realistischen Stillleben bis zu den Yorkshire-Landschaften (1997-98).
Zentraler Punkt der Schau ist das großzügig im Raum präsentierte "A Closer Grand Canyon" (1998). Hockney kombinierte zu dem monumentalen Bild 96 einzelne Leinwände. Sie bringen dem Betrachter, der sich von Fluchtpunkt zu Fluchtpunkt leiten lassen kann, die Landschaft virtuell näher. Gleich mehrere Werke sind der Homosexualität gewidmet - wie "Life Painting for Myself" (1962), "Two Men in a Shower" (1963) oder "Two Boys in a Pool" (1965).
Die Gemälde in Öl oder Acryl fesseln durch ihre wuchtige und dichte Farbigkeit, die ihre Wirkung auch in den Raum hinein entfaltet. Natur und Leben scheinen selbst Schönheit und Freude zu feiern - Matisse und Van Gogh sind nicht weit. "Farbe ist überall", sagt Hockney. Deshalb verwende er sie auch. Aber Farbenvielfalt müsse nicht zwingend Freude bedeuten, schränkt Hockney in Gedenken an die vielen Freunde ein, die er durch Aids verloren hat.
Abgeschlossen habe er sein Werk noch nicht, auch wenn dies bereits eine "Retrospektive" sei, sagte Hockney. Zur Zeit beschäftige er sich mit den optischen Hilfsmitteln, die die Alten Meister nutzten. Da gebe es noch viel zu entdecken.
Edgar Bauer, dpa
"Exciting Times Are Ahead" 1. Juni bis 25. September 2001, Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland, Bonn.