Denkmalpflege Comeback für Lenin?
Berlins Kultursenator Thomas Flierl (PDS) befürwortet eine "museale Bearbeitung" des Denkmals aus DDR-Zeiten, wie ein Sprecher der Senatsverwaltung sagte. Zuvor hatte sich Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) gegen eine Zerschredderung der in Einzelteile zerlegten Statue ausgesprochen und einen angemessenen Umgang mit ihr gefordert. Die Berliner CDU und die FDP-Fraktion im Abgeordnetenhaus lehnten eine Rückkehr des Denkmals ab.
Berlins CDU-Generalsekretär Frank Henkel kritisierte, der rot-rote Senat, allen voran der Kultursenator, versuche erneut, historisch längst überlebte Ideologien und deren Vertreter in die Gegenwart zu retten. "Linke Geschichtsideologie gehört genau dahin, wo sich jetzt das Lenin-Denkmal befindet - tief in der Erde vergraben", sagte Henkel.
Der FDP-Fraktionsvorsitzende Martin Lindner nannte die Idee "Schwachsinn". Lenin sei "ein Verbrecher" gewesen, sagte er. Es sei nicht einleuchtend, warum Geld für das Denkmal ausgegeben werden sollte.
Konkrete Pläne für eine "Wiedergeburt" der Granit-Figur gibt es laut Aussage des Sprechers der Senatskulturverwaltung noch nicht. Für Denkmäler sei die Stadtentwicklung zuständig, die Lenin-Statue stehe aber nicht auf der Denkmal-Liste. Im Senat müsse man sich nun verständigen, wie mit Lenin umgegangen werden solle. Im Gespräch mit Museums- und Denkmalexperten müssten dann technische, museale und finanzielle Möglichkeiten erörtert werden.
Das Deutsche Historische Museum (DHM) ist nach Angaben eines Sprechers noch nicht angesprochen worden. Zunächst müsse der Senat eine Entscheidung treffen, sagte er. Offenbar seien auch die Eigentumsrechte am Denkmal noch nicht geklärt. Der DHM-Sprecher fügte zugleich hinzu, das Museum sei ein Hort für herrenlose Güter, die der Fluss der Zeitgeschichte anspüle. Die Einrichtung erhalte täglich sehr viele Angebote. Jedes werde von den Kuratoren geprüft. Auch für das Lenin-Denkmal gäbe es viele Fragen wie den Kontext der Präsentation und Transportmöglichkeiten zu klären.
Das überlebensgroße Denkmal stand bis 1991 auf dem früheren Leninplatz, dem heutigen Platz der Vereinten Nationen in Berlin-Friedrichshain. Es wurde dann in 129 Einzelteile zerlegt und in der Seddiner Heide nahe Berlin eingelagert. Im Laufe der vergangenen 14 Jahre hatten Vandalen Löcher ins Depot gegraben, Teile des steinernen Lenins freigelegt und diese stark beschädigt.
Claudia Stäuble, ddp