Designausstellung: Konfettiteppich statt Elchdecke - DER SPIEGEL
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Designausstellung Konfettiteppich statt Elchdecke

Schwedisches Design ist mehr als nur H&M, Ikea oder gestrickte Elche. Das zeigt eine Ausstellung zum Designpreis "Design S/Swedish Design Award 2008". So richtig verrückt sind die Kreativen im hohen Norden aber nicht - sie setzen auf demokratisch und nachhaltig.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Was fällt Ihnen ein, wenn Sie an schwedisches Design denken? Ikea? Vielleicht noch Saab und Ericsson, Glas von Kosta Boda und Orrefors. Und Hennes & Mauritz? Nein, das ist kein Design, sondern eine super Geschäftsidee. Und Nokia und Marimekko? Die sind finnisch. Und Designer wie Arne Jacobsen oder Verner Panton sind dänisch.

Die Schweden wollen mehr, als für ein paar Geschäftskonzepte und Designernamen bekannt zu sein. Deshalb gibt es seit 2006 den Designwettbewerb "Design S/Swedish Design Award", für den in diesem Jahr 200 Bewerber einen Entwurf einreichten. 19 davon wurden nominiert und 10 bekamen Preise.

Ob verrückte Designer mit schrägen Vorschlägen dabei waren, weiß man nicht, denn gezeigt werden jetzt in der Ausstellung im Hamburger Völkerkundemuseum nicht alle Bewerber, sondern nur die zehn Preisträger und die neun Rest-Nominierten. Die kleine, aber informative Ausstellung wandert anschließend nach Italien, Belgien, Griechenland, China und sogar in die USA.

Die Seite www.sverige.de/lexi/lexi_desi.htm  antwortet auf die selbstgestellte Frage: "Was ist in puncto Design eigentlich schwedisch?", folgendermaßen: "'Nordic Light' vielleicht, übertragen auf den Alltagsgegenstand. Unter anderem klare Formen, helle Farben, Anpassung an die Funktion, Möbel aus Holz, Textilien mit Karos und Streifenmustern."

Vieles, was aus Schweden kommt, ist tatsächlich aus hellem Holz, blau bedruckter Baumwolle, braunem Steingut, dickem Glas und beiger, reiner Wolle. Manchmal ist ein Elch reingestrickt. Keine Übertreibung, erschwinglich für jedermann, immer demokratisch – wie Ikea.

Zum Glück gehen die Exponate im Völkerkundemuseum darüber hinaus. Zur Eröffnung der Hamburger Ausstellung kam vergangenen Woche der 29-jährige Carl Philip Edmund Bertil Prinz von Schweden. Eigentlich eine gute Idee, denn für Presse und Besuchergedränge hat er gesorgt, was eine in einem Völkerkundemuseum versteckte Designausstellung gut gebrauchen kann.

Hätte man seine Hoheit doch nur über Design reden lassen, denn er hat vier Jahre lang, also ernsthaft, Grafikdesign studiert, das letzte Jahr an der Rhode Island School of Design in den USA. Dort hat der Prinz 2007 sogar unter einem Pseudonym den ersten Preis für die Neugestaltung des grafischen Erscheinungsbilds für das Martha’s Vineyard Museum gewonnen. Das hat die Kultursenatorin verraten, und wie der Entwurf aussieht, das konnte man dann sogar in der Pressemappe sehen.

Man hätte daher gern gewusst, wie er den grafischen, preisgekrönten Entwurf der verschiedenen Produkt-Verpackungen seiner Kollegen von "Stockholm Design-Lab" für den japanischen Online-Verkäufer Askul fand. Schöne Farben, lesbare Schrift, würde man selbst sagen, revolutionär und neu ist aber nichts daran.

Also guckt man sicherheitshalber erstmal nach, was denn die Kriterien für diesen Design-Preis sind: "Kreativ und nützlich" soll das prämierte Design sein, "Problemlösungen" soll es präsentieren, und "zu nachhaltigen Entwicklungen" beitragen. "Die Einreichungen werden unter ökologischen, wirtschaftlichen und sozialen Aspekten beurteilt." Solche Kriterien würde man in Italien und in Spanien sicherlich nicht anlegen, aber in Schweden geht es eben nachhaltig demokratisch zu.

Deshalb hat auch die schwarze, wandelbare Kleiderkollektion "Numb" von Anna Bonnevier einen Preis bekommen, denn sie ist "zeit- und alterslos" und tragbar für jedermann – und hat nichts mit Mode zu tun, denn die steht genau für das Gegenteil. Sehr elegant ist der Tisch "Thinner" aus dünnstem Laminat, der wie die Strichzeichnung eines Tisches aussieht, wenn er im Raum steht. Und ähnlich fein und minimal ist das Mobiltelefon "02 Cocoon" von Syntes Studio.

Wofür der kleine schwarze "Peacemaker" von "No Picnic and Tonium" gut ist, kann man am Design nicht erkennen. Er sei ein "DJ-System", ist in der guten Beschreibung nachzulesen, die jeweils jedes Objekt erklärt. Mit dem Ding kann sich der DJ offensichtlich von seinem DJ-Pult fortbewegen, durch den Club wandern und trotzdem weiter für einen guten Mix sorgen.

Einen Preis gewonnen hat auch ein Teppich von Gunilla Langerhem-Ullberg, der "Tekla" heißt und von Konfettifarben und Partys inspiriert sein soll. Sehr schön ist der Bodenbelag, aber von neuem oder sensationellem Design kann nicht die Rede sein. Das gilt auch für den Stuhl "Boo" von Stefan Borselius und einen Fahrradhelm von POC Sweden. Unter den nicht prämierten, aber nominierten Designer-Entwürfen ist ein Schubladenschrank aus gepressten Holzspänen, ein Fahrrad, Reitstiefel, Messer, vier schöne Schreibtischlampen, ein Bischofsgewand und ein Sendemast für Ericsson.

Alles gute, nachhaltige Design-Neuheiten, keine Querschläger und keine Verrücktheiten, aber das sind ja auch nicht die Kriterien für den Schwedischen Design Award. Die Auszeichnungen, sagt eine Vertreterin der auslobenden drei schwedischen Designorganisationen, sollen vielmehr dazu beitragen, Kontakte zu Produzenten und zur Industrie herzustellen. Und das scheint in den meisten Fällen gelungen zu sein, denn bei vielen Gegenständen ist schon ein Auftraggeber genannt.


Ausstellung: Swedish Design Award 2008. Hamburg. Museum für Völkerkunde. Bis 31.10. www.swedishdesignaward.se  und www.voelkerkundemuseum.com  und www.swedenabroad.com/hamburg 

Dazu eine Seminarreihe im Museum für Völkerkunde: jeweils ab 10:30 Uhr; 7.10.: Design als Erfolgsfaktor für den Mittelstand. 10.10.: Innovatives Textildesign. 24.10.: Design und Gender.