DHM muss Plakatsammlung zurückgeben - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Wertvolle Plakatsammlung Museum muss NS-Beute zurückgeben

Reklameplakate waren Hans Sachs' Leidenschaft - aber als der jüdische Zahnarzt vor den Nazis fliehen musste, blieb seine umfangreiche Sammlung in Deutschland zurück. Jetzt muss das Deutsche Historische Museum die Plakate an die Erben zurückgeben.
Deutsches Historisches Museum: 4200 Plakate weniger im Bestand
Deutsches Historisches Museum: 4200 Plakate weniger im Bestand

Deutsches Historisches Museum: 4200 Plakate weniger im Bestand

Foto: Jens Kalaene/ dpa
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Karlsruhe/Berlin/Hamburg - Rund 8000 Reklameplakate sammelte der jüdische Zahnarzt Hans Sachs, bevor er vor den Nazis in die USA floh. 4200 davon besaß das Deutsche Historische Museum (DHM), die Sammlung muss jetzt an Sachs' Erben zurückgegeben werden. Der Bundesgerichtshof in Karlsruhe verurteilte das Berliner Museum zur Herausgabe. Damit hatte die Klage des in den USA lebenden Sachs-Sohnes Erfolg. Zur Begründung hieß es, Sachs beziehungsweise dessen Erben seien immer Eigentümer der Sammlung geblieben.

Hans Sachs musste seine umfangreiche Plakatsammlung zurücklassen, als er wegen der Judenverfolgung in die USA emigrierte. Die Sammlung wurde von den Nazis beschlagnahmt. Nach dem Krieg verlor sich die Spur, bis in den sechziger Jahren rund 8000 Werke in einem Ostberliner Keller gefunden und später in die Sammlung des DHM eingegliedert wurden. Der Sohn des Zahnarztes hatte seit 2005 für die Rückgabe der Plakate gestritten. Sachs selbst war 1974 in New York gestorben. Seine Sammlung wird mit vier Millionen Euro bewertet.

Deutschland hat sich zusammen mit anderen Ländern in der Washingtoner Erklärung von 1998 dazu verpflichtet, Nazi-Raubkunst zu identifizieren, die rechtmäßigen Besitzer ausfindig zu machen und die Werke entweder zurückzugeben oder eine "faire Lösung" zu finden. Erst vor kurzem hatte das Münchner Stadtmuseum acht Werke an die Erben der Kunstsammlerin Emma Budges zurückgegeben. Experten rechnen jedoch damit, dass sich die sogenannte Restitution noch über Jahrzehnte hinziehen kann.

avk/dapd/APD