"Die Mauer": "Erinnerungskultur aufrecht erhalten" - DER SPIEGEL
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"Die Mauer" "Erinnerungskultur aufrecht erhalten"

Mit "Die Mauer - Berlin 1961" behandelt die Filmproduktionsfirma Teamworx nach der "Luftbrücke" und anderen TV-Events ein weiteres großes deutsches Thema. Im Interview erklärt Produzentin Ariane Krampe ihre Faszination für deutsche Geschichte.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

SPIEGEL ONLINE: Warum ein Mauerfilm ausgerechnet im Jahr 2006?

Krampe: Eigentlich war es die Idee von Egon Bahr. Auf der Premierenfeier eines anderen Teamworx-Films ("2 Tage Hoffnung - 17. Juni 1953) standen Nico Hoffmann und ich mit dem WDR-Fernsehdirektor Ulrich Deppendorf und Bahr zusammen. Da sagte er auf einmal, die logische Fortsetzung des Films, den wir gerade gesehen hatten, wäre ein Film über die Mauer. Und da alle Leute, die zustimmen mussten, an diesem Abend da waren, haben wir dann sehr zügig begonnen, aus der Idee einen Film zu entwickeln.

SPIEGEL ONLINE: Davon wird es zum 50. Jahrestag in fünf Jahren bestimmt ziemlich viele geben.

Krampe: Wir haben uns ganz bewusst entschieden, nicht auf den 50. Jahrestag zu warten, sondern mit diesem eher leisen Film früher rauszukommen - vor der Flut der großen Mauerfilme. Wir hatten uns sehr schnell auf das Thema "Rabeneltern" geeinigt, nachdem der WDR und Teamworx den Autor und Regisseur Hartmut Schoen mit der Entwicklung dieses Projekts beauftragt hatten.

SPIEGEL ONLINE: Nimmt der Film, wie andere Teamworx-Filme vor ihm, einen historischen Beispielfall zum Vorbild?

Krampe: Nein, die Geschichte des Plastefugers und der Postangestellten, die am Abend des 13. August auf eine Feier im Westen Berlins gehen und dann nicht zurückkönnen zu ihrem Kind, hat es so nicht gegeben. Aber es existieren viele ganz ähnliche Geschichten. Insofern stellt der Film viele authentische Einzelschicksale exemplarisch dar. Mein Anliegen war es, Geschichte von innen nach außen zu erzählen, eine Geschichte zu erzählen, in der die große Politik sich in das Innerste des eigenen Lebens einmischt und die Leute nicht anders können, als das zu erdulden.

SPIEGEL ONLINE: Haben Sie die Mauerszenen an historischer Stelle gedreht?

Krampe: Nein, in Berlin kann man keinen Mauerfilm mehr drehen. Dazu hat sich die Architektur der Stadt zu radikal geändert. Wir haben in Breslau gedreht, wo am wenigsten gebaut werden musste für den Film. In manchen Straßen sieht es da immer noch so aus wie im Berlin von 1961. Teilweise mussten wir nur ein paar Satellitenschüsseln von den Dächern runterholen. Einige Monate zuvor hatten wir an derselben Stelle die "Luftbrücke" gedreht.

SPIEGEL ONLINE: Die Firma Teamworx hat den "Tunnel" produziert, "Tanz mit dem Teufel" zur Oetker-Entführung, im letzten Jahr die aufwendigen Produktionen "Luftbrücke" und "Dresden" - arbeiten Sie jetzt weiterhin die großen deutschen Themen ab?

Krampe: Geschichte verschwindet zumindest in Teilen, wenn es nicht mehr eine Abbildung des authentischen Selbsterlebten gibt, wenn Zeitzeugen sterben. Solange die noch leben, fühle ich mich einer gewissen Erinnerungskultur verpflichtet. Und mein Anliegen ist, diese Erinnerungskultur aufrechtzuerhalten, so lange es noch geht. Denn die fiktionalen Geschichten, die sich aus den wahren Geschichten ergeben, sind nicht nur eine besondere Herausforderung für Filmemacher, sie sind auch oft die besten.

SPIEGEL ONLINE: Was wird das nächste deutsche Thema sein, das Sie angehen?

Krampe: Für mein nächstes Projekt gehen wir zurück in die zwanziger Jahre. Dominik Graf soll Regie führen, er arbeitet gerade an dem Buch. Es wird um eine faszinierende Frau aus dieser Zeit gehen, Lotte Lenya, die Muse von Kurt Weill. Eine verrückte und erstaunliche Frau.

Das Interview führte Britta Sandberg