Die Neue im Quartett "Wie eine Einserschülerin"
Hamburg - "Radisch? Karasek? Allein bedeutend für das 'Literarische Quartett' ist ein batteriebetriebenes Häschen namens Reich-Ranicki", schrieb die "Süddeutsche Zeitung". Die Show habe die Neue, Iris Radisch, dem alten Meister ebenso wenig stehlen können wie Herr Karasek, der "ewige Eckermann".
Die "FAZ"-Kritikerin Monika Maron bedauerte das Fehlen von Sigrid Löffler, die nach einem Zwist mit Reich-Ranicki über erotische Literatur die Sendung verlassen hatte. "Frau Löffler hat mir gefehlt. Ihr gekränktes, immer besserwisserisches Lächeln, ihre meist missglückte Ironie, ihren nicht beirrbaren Anspruch auf Ernsthaftigkeit, wenn schon nichts mehr zu retten war, sogar meinen Verdacht, dass sie ziemlich bösartig ist und wahrscheinlich schon in der Schule gepetzt hat, habe ich vermisst", schrieb die Schriftstellerin.
Von Sigrid Löffler war am Montag keine Stellungnahme zu erhalten. Lob für ihre Nachfolgerin fand der Bonner "Generalanzeiger": "Die Neue, Iris Radisch, war alert wie eine Einserschülerin." Die "Hannoversche Allgemeine" befand: "Iris Radisch, da gibt es nichts zu nörgeln, spielte ihren Part gut", das Quartett habe munter und aufgekratzt gewirkt. Und die "Tageszeitung" schrieb über Radisch: "In ihrem Mienenspiel hat sie unbedingt das Zeug zu einer griechischen Tragödin."
Beim ZDF, das am Freitagabend mehr als eine Million Zuschauer bei der neu besetzten Büchersendung registrierte, riefen 43 Zuschauer während der Sendung an - sie äußerten sich "positiv und negativ", sagte ein ZDF-Sprecher. Die meisten Anrufer hätten sich aber - wie immer - auf Reich-Ranickis Rolle bezogen: "Einige fanden ihn okay, andere nicht."