Dirigentenstreit: Preußische Posse an der Bismarckoper - DER SPIEGEL
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Dirigentenstreit Preußische Posse an der Bismarckoper

Luisi oder Thielemann? Als hätte Kultursenator Christoph Stölzl noch nicht genug Sorgen. Nun musste der Theaterausschuss auch noch in dem vom Friedrich-Nachfolger Udo Zimmermann angezettelten Dirigentenstreit an der Deutschen Oper schlichtend eingreifen.
Von Harriet Dreier
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Der derzeit noch in Leipzig residierende, designierte Intendant der Deutschen Oper, Udo Zimmermann, hat feste Vorstellungen, wen er sich als Generalmusikdirektor ins Haus holen will: den italienischen Dirigenten Fabio Luisi. Doch Zimmermann stößt auf den Widerstand des Orchesters, das Amtsinhaber Christian Thielemann halten möchte. Am Dienstag sollte die Personalkommission der Senatsverwaltung, in der auch Stölzl saß, entscheiden, mit welchem Taktstock Berlin in die neue Spielzeit geht. Keine einfache Entscheidung, denn dem Kultursenat droht eine Millionenklage. Der Anwalt des Italieners hatte ein Ultimatum gestellt. Bis zum 12. Dezember sollte ein Drei-Jahres-Vertrag für Luisis Posten als Generalmusikdirektor (GMD) der Deutschen Oper ab August 2001 vorliegen, andernfalls drohte eine Schadenersatzklage in Höhe von 2,25 Millionen Mark.

Das Personalproblem an der Bismarckstraße ist eine preußische Posse: Thielemann hatte vorschnell seine Stellung unter Zimmermann gekündigt. Nun hätte er seinen Posten gerne zurück, aber Zimmermann hatte Luisi bereits als Ersatzmann auserkoren. Einen Vertrag hatte der Neue bisher noch nicht in Händen, doch jetzt lag das Dokument dem Senat zur Unterschrift vor. Die Kommission lehnte den Vertragsentwurf jedoch ab. Laut Kultursenat gab es Probleme mit den finanziellen Vorstellungen Luisis. Zimmermann kann jetzt nachbessern und einen mehrheitsfähigen Vertragsentwurf vorlegen. Ob Luisi dennoch vor Gericht zieht, ist unklar. Seine 2,25 Millionen schwere Schadenersatzklage setzt sich aus der Gage für drei Jahre (150.000 Mark) sowie den Abendgagen zusammen, die bei 40 Vorstellungen pro Jahr 2,1 Millionen Mark betrügen.

Das Bismarck-Orchester zeigte sich von Luisis Kraftprobe unbeeindruckt. Ende November verabschiedeten die Musiker einstimmig eine Resolution, in der sie Thielemann zum einzig würdigen Generalmusikdirektor deklarierten. "Der Orchestervorstand hat diesen Willen gegenüber den Senatoren Radunski, Thoben und Stölzl mehrfach zum Ausdruck gebracht."

Stölzl sitzt mal wieder zwischen den Stühlen. Sein Reformpapier mit der Doppelspitze von Deutscher Oper und Staatsoper bedeutet eine Verkleinerung der beiden Orchester und stieß auf heftigen Widerstand. Kulturstaatsminister Michael Naumann (SPD) brachte Stölzls Pläne zusätzlich ins Wanken, indem er unerwartet 3,5 Millionen Mark für die Staatskapelle aus dem Hut zauberte. Die Spende des Bundes hat nach Zimmermanns Ansicht "die Koordinaten grundlegend verschoben". Er sehe für die Opernreform nur noch minimale Chancen. Stölzl hofft nun auf weitere Bundesfinanzspritzen von Naumann-Nachfolger Julian Nida-Rümelin.

Falls Stölzls ursprüngliche Pläne realisiert würden, könnte Zimmermann die beiden Opern in Personalunion leiten. 2002 läuft Barenboims Amtszeit aus: Es gibt bereits Spekulationen, Luisi würde dann GMD der Staatsoper. Im Raum steht aber auch noch das von der Opernkonferenz vorgeschlagene institutionelle Dreier-Gremium. Sollte es bei einer Unabhängigkeit der Häuser bleiben, wäre Berlin wieder am Ausgangspunkt der von Stölzl begonnenen Reformdebatte. Der Kultursenator vor dem Theaterausschuss: "Ich habe versucht, im Konflikt mit dem Orchester, das Thielemann aus guten künstlerischen Gründen behalten will und Luisi zu vermitteln. Eine Einigung wäre möglich, wenn die Herren ihre Empfindlichkeiten bei den Titeln ablegten."

Das Bismarck-Orchester erhielt im Dirigentenstreit politische Schützenhilfe von CDU-Fraktionschef Klaus Landowsky und seinem SPD-Amtskollegen Klaus Wowereit. Sie betonen den Stellenwert Thielemanns in der internationalen Musikszene und wollen nicht auf ihn verzichten. Der Dirigent gab letzten Sommer sein furioses Debüt bei den Bayreuther Festspielen und wird dort 2001 "Parsifal", die "Meistersinger" und den "Tannhäuser" leiten. Und was sagt der 41-Jährige selbst zu einer Dirigenz an der Deutschen Oper? "Mein Terminkalender ist auf Jahre hinaus gefüllt. Für eine schöne Aufgabe bin ich aber immer flexibel."

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