Doku "Majestät wird 70": Royals mit zuviel Cheese - DER SPIEGEL
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Doku "Majestät wird 70" Royals mit zuviel Cheese

Wollen Sie sich königlich amüsieren? Dann meiden Sie Rolf Seelmann-Eggeberts Film zum 70. Geburtstag von König Juan Carlos und Königin Beatrix. Diese Lächelparade hält selbst der strammste Royalist kaum aus.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Aus zwei mach eins - getreu diesem Motto tritt der ARD-Adelsexperte Rolf Seelmann-Eggebert heute Abend an, um sich gleich zwei europäischen Königshäusern anzudienen. Heute feiert der spanische König Juan Carlos seinen 70., wenige Wochen später, am 31. Januar, ist Kollegin Beatrix aus den Niederlanden dran. Da kann man schon mal gratulieren - und eben das tut Seelmann-Eggebert.

Seelmann-Eggebert, selbst im vergangenen Jahr 70 geworden, hat sich mit einem hohen Anspruch an das Doppelporträt der beiden Monarchen gewagt. Deren Geschichte, so die Ankündigung der ARD, sei zugleich auch die "Geschichte des neuen Europas". Eben diese "Wechselbeziehung" wolle der Film zeigen und so eine "neue Qualität in der Royalty-Berichterstattung" etablieren. Nachdem sich jüngst Thomas Kausch mit seiner neuen, verqueren ARD-History-Show "Geheimnis Geschichte" in den Orkus derselben versenkt haben dürfte, besteht beim Sender Bedarf nach historischer Kompetenz.

Lieben und Leiden dieser beiden Adeligen im Spiegel der monumentalen Verwerfungen des 20. Jahrhunderts - gerade diese Dokumentation hätte ein Highlight populär-politischen Geschichtsfernsehens werden können. In Spanien etwa sind bis heute die Wunden, die der Frankismus geschlagen hat, nur mühsam mit einer brüchigen Schicht des Schweigens verarztet - und König Juan Carlos spielte ja während des Franco-Regimes und in der Übergangszeit eine eminent politische Rolle, tut es sogar heute noch. Schließlich war er Francos politischer Ziehsohn, nach Francos Tod übernahm er wieder den Thron, führte Spanien in eine Demokratie.

Zäsuren im Minutentakt

Seelmann-Eggebert gibt dem einst emanzipatorisch gemeinten Begriff der "Geschichte von unten", die ja den Gebückten und Gebeugten eine Stimme verleihen wollte, eine neue Bedeutung. Er unterwirft sich ohne Not dem populistischen Schmeichelduktus des gängigen Aristo-Journalismus. Denn der spanische und niederländische Adel zählt in der medialen Verwertungslogik schließlich nur zur B-Klasse: Juan Carlos und Beatrix sind ja nicht die Windsors oder wenigstens "Uns Silvia" aus Schweden.

Dennoch säuselt Seelmann-Eggebert von den "Passionen" (Ski, Reiten, Segeln usw.) der Majestäten, suggeriert mit der Einspielung alter Interview-Sequenzen Nähe ("hat uns anvertraut"), wo analytische Distanz gefragt wäre. Wann immer er persönlich ins Bild tritt, klebt eine rötlich schimmernde Namensbanderole mit Krönchen im Bild. Man muss schon fürchten, auch in Deutschland sei die Monarchie wieder ausgebrochen.

In der dreiviertelstündigen Dokumentation zeitenwendet es im Minutentakt: das Ende des Zweiten Weltkriegs, die Heirat Beatrix' mit dem umstrittenen Deutschen Claus von Amsberg, der Tod Francos, der Mord an dem Islamkritiker Theo van Gogh, der Terroranschlag auf die Pendlerzüge in Madrid. All diese Zäsuren finden Erwähnung, ihre Bedeutung für die Monarchie wird aber nie erklärt, sondern nur behauptet.

Da bleibt keine Zeit, um etwa Juan Carlos' Rolle im frankistischen Spanien näher zu beleuchten, bevor der Monarch 1975 die große Reformwende einleitete. Und auch die für das belastete Verhältnis zu Deutschland folgenreiche Heirat der niederländischen Königin mit einem deutschen Adeligen hätte einen zweiten oder dritten Blick gelohnt.


"Majestät wird 70 - Rolf Seelmann-Eggebert gratuliert Königin Beatrix und König Juan Carlos", heute Abend, ARD, 21.45 Uhr