Doku-Show mit Adoptierten Am Tränendrüsendrücker
"Wir hatten Mitarbeiter am Set, die geheult haben", bekannte Kevin Healey stolz gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. "Wenn Sie diese Sendung sehen, ist es unmöglich, nicht zu schluchzen." Healey muss es wissen: Er ist einer der Produzenten von "Who's Your Daddy?", einer neuen Real-Life-Dokuserie, die Fox TV am 3. Januar kommenden Jahres starten wird.
Das Konzept der Serie ist so simpel wie effektiv: Gezeigt werden Frauen, die als Kind zur Adoption freigegeben wurden und nun ihre leiblichen Erzeuger kennen lernen. Dazu kann die Kandidatin 100.000 Dollar gewinnen. Dabei muss die TV-Tochter den ihr bis dahin noch unbekannten Vater mit Fragen zu ihrem Leben aus einem Kreis von ingesamt acht Männern ermitteln.
Damit sich Vater und Tochter nicht bereits nach fünf Minuten in die Arme sinken, müssen drei Fragerunden absolviert werden, wobei die Nicht-Väter versuchen, die Kandidatin zu verwirren. Entscheidet sie richtig, gehen die 100.000 Dollar an sie, ansonsten gewinnen die gecasteten Möchtegern-Dads. Die Frauen seien aber nicht wegen des Geldes in der Sendung, will Healeys Partner Scott Hallock wissen. "Die sind da, weil sie ihren Vater kennen lernen wollen."
Sechs Folgen mit sechs verschiedenen Vater-Tochter-Paaren sind bereits abgedreht, im Laufe des Casting-Prozesses seien aber drei Dutzend Eltern-Kind-Wiederbegegnungen arrangiert worden, wie die Produzenten erklärten. "Die Väter wollten ihre Töchter und die Töchter wollten ihre Väter finden", so Healey. "Alle sind von dem Konzept der Show im Vorfeld unterrichtet worden." Man habe selbstverständlich die Erlaubnis beider Parteien eingeholt, bevor man den Kontakt hergestellt habe.
Hierfür hat der Sender keine Mühen gescheut: Das Casting verlief über landesweit geschaltete Radio-Spots, die Interessierte dazu aufforderten, sich bei Fox zu melden. Im Anschluss machte der Sender mit Hilfe spezieller Agenturen Jagd auf die leiblichen Väter der Kandidatinnen.
Mit seinem Tochter-sucht-Vater-Quiz will der Sender an seine Erfolge wie die Schwindel-Serie "Joe Millionaire" (in Deutschland von RTL2 adaptiert als "Elmar, der Millionär") oder die Talent-Show "American Idol" anknüpfen. Man wolle die Grundidee von Game-Show-Klassikern wie "What's My Line?" und "To Tell the Truth" mit der herzerweichenden Sentimentalität der legendären Talk-Sendung "Oprah" verbinden. In der bereits in den fünfziger Jahren lancierten Show "To Tell the Truth" geben sich drei Kandidaten als dieselbe Person aus, vier Prominente müssen dann die Schummler entlarven. "What's my Line?", 1950 erstmals von der CBS ausgestrahlt, ist das amerikanische Vorbild von Ratesendungen wie "Was bin ich?".
Ratequizbiederkeit plus Seelenstriptease - so also könnte die Kurzformel für "Who's Your Daddy?" lauten. Rabenväter und Tränentöchter - und eine Quote, die alles andere als von schlechten Eltern sein wird.