"Doppel 4" in Berlin Eins plus eins ist mehr als zwei
"Beide Kunstwerke interessieren mich, und jedes für sich funktioniert gut und füllt einen Raum. Ich hatte die Idee, die Arbeiten zusammenzuführen, und zu zeigen, dass eins plus eins mehr ist als zwei", sagt Joanna Kamm über die Ausstellung "Doppel 4" von Carter und Johannesma in ihrer Galerie "S.S.K." in Berlin-Mitte.
Auf den in Berlin lebenden englischen Künstler Ben Carter wurde die Galeristin durch die Düsseldorfer Ausstellung "Modulor" aufmerksam. Als sie später die Arbeiten des Amsterdamer Videokünstlers Rob Johannesma auf der Website des Stedelijk Museum Bureau Amsterdam sah, hatte sie sofort die Idee einer Doppelausstellung.
"Ich entdeckte den gemeinsamen Beziehungspunkt, der die Arbeiten verbindet. Es ist zwar immer ein Risiko, Künstler zusammenzubringen, die sich nicht kennen. So können aber überraschende und spannende Projekte entstehen", erklärt Kamm ihr Vorgehen. Und Johannesma bestätigt: "Ben und ich benutzen unterschiedliche Kunstformen - aber wir beide analysieren die Struktur unserer Umgebung. Ben beschäftigt sich mit der architektonischen Betrachtung, und mein Interesse gilt der Landschaft und ihrer organischen Struktur."
In der aktuellen Schau zeigt Carter die Installation "After Isozaki" - ein Architekturmodell aus Pappe. Er hatte in einem Buch eine Fotografie von Arata Isozakis utopischem Wohnprojekt aus den sechziger Jahren gesehen. "Als ich das Bild in dem Buch sah, dachte ich sofort, das könnte man nachbauen, um die architektonische Vision Isozakis greifbar zu machen", so der 28-Jährige über seine Arbeit. Sein Objekt weicht kaum von dem Originalmodell ab - bloß Material und Ausmaße (250x170x75 Zentimeter) weichen von einem typischen Architekturmodell ab. Carter spielt mit der zeitlichen Verzerrung - er wiederholt Isozakis Utopie, ohne dass dessen Projekt jemals realisiert worden ist. Eine Zukunftsvision, die entstand, bevor Carter geboren wurde. "Mich beeindruckt die Idee, dass Design das Leben verändern kann - eine Vorstellung, die in den zwanziger Jahren mit dem Bauhaus begann", so der Engländer.
Johannesma zeigt in der Ausstellung zwei Videoarbeiten aus einer Serie, die zu Beginn des Jahres erstmals im Stedelijk Museum Bureau Amsterdam ausgestellt wurden. Sein Ausgangsmaterial sind Fotografien und Videoaufnahmen von Reisen durch Amerika, die er in seinem Amsterdamer Atelier bearbeitet hat. Dabei ist seine Kameraführung so langsam und konzentriert sich auf eine Einstellung, wie sich ein Gemälde einen einzelnen Bildausschnitt wählt. Die amerikanische Natur wird bei ihm zum autonomen Landschaftsbild - doch statt auf Leinwand bannt der Niederländer seine Impressionen auf Video. Johannesma: "Ich mache ein Bild von einem Bild. So kreiere ich eine ideale Landschaft - aber sie ist nur Illusion."
17. August bis 20. September, mittwochs bis freitags von 14 bis 19 Uhr, samstags von 12 bis 17 Uhr. Galerie S.S.K., Linienstr. 158, 10115 Berlin