Dr. Mitte "Abzock" auf der Erotik-Messe
Gedränge vor dem Eingang der Kongresshalle am Alexanderplatz trotz stolzer 35 Mark Eintritt - die Messe verspricht auf ihrer Website "gepflegte Erotik in niveauvollem Rahmen". Vom rüstigen Senioren-Ehepaar bis zu schnurrbärtigen Teenagern haben alle Altersgruppen ihren Weg hierher gefunden und konnten bald merken, dass es bei diesen 35 Mark nicht bleiben sollte. Zwar bekamen die Gäste am Eingang allerlei Gutscheine als Bonus, die sich allerdings schnell als nur schmale Ermäßigungen für extra zu bezahlende Leistungen wie zum Beispiel Erotik-3D-Kinos erweisen.
Humor-Krawatten und Gilb auf Videokassetten
Leicht genervte Blicke sieht man bei einigen Erotik-Freunden zwischen den Ständen der Verkaufsausstellung, bei der nur die Hälfte des Angebots mittelbar etwas mit Sex zu tun hat. Dafür gibt's einen Motorradjackenstand, Discount-Parfüm, unterschiedlichen Nicht-Intimschmuck, eine Weinprobe mit Bestellmöglichkeit und ein beeindruckendes Repertoire an Humor-Krawatten mit Scherzmotiven (Stück 20 Mark, drei Stück 50 Mark). Die Auslagen der Sexanbieter bieten hingegen das Repertoire, was auch im normalen Sexshop auf dem Grabbeltisch liegt. Der leichte Gilb auf mancher Videokassette erinnert an den Wandercharakter des Events - wo überall wird "Zwei Hengste machens Dir anal" schon darum gebuhlt haben, gekauft zu werden?
Der Titel "größte Erotik-Messe Deutschlands" trifft auf die Veranstaltung genau genommen nur deswegen zu, weil das Event in den letzten Jahren ca. 100 Mal in ganz Deutschland stattfand und wie eine Karawane immer weiter zieht. Die nächsten Dates sind in Nordhausen und Minden. Während die Sexmesse "Venus" am Funkturm stets der Glitzer-Pornobranchentreff ist, ist die Erotikmesse am Alex harte Basis-Arbeit, wie man den schlecht gelaunten Gesichtsausdrücken der Schausteller und Standbetreiber entnehmen kann.
Rudis Sexsperrmüll-Resterampe?
An allen Ecken und Enden laden sie zum sparen ein. Sonderpreise, Osterpreise, Kombiangebote, Wunder- und Überraschungstüten, in denen offensichtlich all das verhökert wird, was sich im regulären Verkauf nicht losschlagen ließ. Rudis Sexsperrmüll-Resterampe oder eine Vorschau auf die Welt nach Abschaffung des Rabbattgesetzes?
Hinter ungeschickt aufgebauten Latexvorhängen gibt es allerlei Extraangebote von Partnermassagen, Stripshows bis hin zu Tafeln die "Sadomaso Fußerotik Konzentrationsübung 15 Min." versprechen - für 80 Mark. Das Design und die Typographie der Offerte entsprechen bereits dem Tatbestand der Sünde.
Alternde Divas und die "Janet aus Amerika"
Auf der 2. Etage wartet dann das Showprogramm, bei dem von Mittag bis Mitternacht kleine Strip-Tanzeinlagen mit immer denselben Darstellern stattfinden. Als Stargäste bot die Erotikmesse die alternde Diva Sibylle Rauch und die "porno-oskar-gekrönte" Dalila - den überwiegenden Teil des Programms bestritten noch nicht so berühmte Patricks und Jennifers, die am Tag mehrfach mit wechselnden Verkleidungen auftraten. Striptease "Alien Show", Striptease "Predator Show", Striptease "Aphrodite Show", Striptease "Gladiator" usw.
Die im Netz noch als Janine angekündigte Künstlerin, wurde dem Ostpublikum allen Ernstes als die "Janet aus Amerika" angekündigt und faszinierte ihre Fans, in dem sie die Brille eines Zuschauers in ihr Geschlechtsteil einführte, um sie ihm unter dem rhythmischen Klatschen des Publikums wieder zurückzugeben.
Doch die Begeisterung hielt sich in Grenzen: "Det is Abzock. Für det Jeld hätt' man anderswo auch noch 'n Herrengedeck jekricht", murrte ein Gast.
Ein Blick auf die Website des Veranstalters hätte genügt, um das Prinzip zu verstehen, was schon in Punkt zwei der AGBs erklärt wird: Die Firma erotik-messe.com übernimmt keine Gewährleistung für einen bestimmten Zweck oder dafür, dass die dargebotenen Leistungsmerkmale individuellen Ansprüchen des Benutzers genügen.