Dr. Mitte Die Zwischen-den-Jahren-Shitlist
Ich hoffe, Sie hatten frohe Weihnachten und werden einen fantastischen Übergang in ein total tolles Jahr 2001 haben. Falls nicht, hier eine kleine Checkliste, woran's lag und liegt.
Von
Jürgen Laarmann
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?
- Nicht frühzeitig eine Fernreise gebucht, Vertrauen in den Last Minute Markt gehabt, kurz vor Weihnachten gemerkt, dass alle guten Ziele weg sind und alle normalen doppelt so teuer, "vernünftig geblieben" - Weihnachten zur "Familie" "nach Hause". Besser: daher, von wo man kommt, respektive: da wo man früher war.
- Was für ein elendes Kaff!!
- Kommunikationsproblem mit den Eltern. Behandelt worden wie ein Elfjähriger. Die Geschichte, dass die Katze der Nachbarin krank ist, und manch anderes wenig brisant gefunden. Dumme Fragen, mäßige Antworten. Um des "lieben Friedens Willen" Grundsatzdiskussionen umschifft.
- Sinnlose Völlerei. Schon bei der Andeutung, dass man Gans eigentlich gar nicht so sehr mag, Tränen bei Mama und der Vorwurf tiefster Undankbarkeit inklusive detailliertem Aufrollen aller historischen Begebenheiten, in denen man auch schon mal "undankbar" war.
- Die eigenen Geschenke wurden nicht verstanden, was man selbst gekriegt hat, spottet jeder Beschreibung, gequält gelächelt, Anflug von Depressionen, Scham über das Bild, was andere Familienmitglieder von einem haben, gleichzeitig Wut, Nachdenken über ein Image-Problem.
- Jüngere Familienmitglieder inszenieren epileptische Anfälle und Schreikrämpfe weil sie weder Mobiltelefon noch die neue Playstation gekriegt haben. Verwöhntes Pack.
- Sich mit "alten" Freunden verabredet, SMS-Strategie voll versagt, zuerst 40 SMSe mit stupid-gleichförmigen "X-Mas"-Wünschen (überhaupt: was für ein Unwort "X-Mas" doch ist), dann totaler Zusammenbruch des SMS-Marktes, Dates verpatzt, dann doch "Titanic" mit Muttern.
- Eskalation des Familienstreits wg. Umschaltverhalten bei RTL-Werbepausen
- Abreise mit dem Auto, zurück nach Berlin. Sich auf empirische Meteorologie-Daten verlassen, 16 Jahre keine weiße Weihnachten und nun mit Sommerreifen auf der A9, aufgrund mehrstündiger Verspätung Treffen mit anderen Weihnachts-Opfern verpatzt, sich alleine betrunken.
- Eil-E-Mail, dass man zwischen den Jahren arbeiten muss. Sich zum Arbeitsplatz geschleppt. Keine Seele da, die man erreichen sollte. Ein bisschen den Schreibtisch hin- und hergeräumt.
- Sich um keinerlei Sylvestereinladung gekümmert, sinnloser Austausch mit Menschen, die auch "noch nicht wissen, was wir machen"
- Fein-essen-gehen-Idee entwickelt. Menüvorschlag studiert. Freunde bequatscht, sich die Investition zu leisten. Blabla und Bliblablub. Ok. Restaurant angerufen. Leider längst ausgebucht. Keine Einigung für Ausweichlocation. Zerrüttung.
- Dieses Sylvester mal ganz soft angehen lassen - Diskussion, die spätestens am 31. Dezember wieder verworfen wird.
- Sich irgendwas fürs nächste Jahr vornehmen, wie wärs mit Abnehmen und mit dem Rauchen aufhören. Sich über mangelnde Originalität geärgert. Vielleicht mal den Ansatz "doppelt so viel rauchen" wählen.
- Böller statt Brot und dann auch noch im eigenen Auspuff. Hahaha, ihr lustigen Kinder.
- Nach allem Hin- und her frierend auf der Gasse gestanden. Erbärmliches Feuerwerk, komische Mitfeierer, falsch temperierter Sekt schlechtestenfalls auch noch in ungeeigneten Gläsern, falscher Pathos, beim Bleigießen kam eh nur was raus, was aussah wie ein komischer Ast. Komischen Ast in "Straußenpenis" gedeutet, Symbol für tolle Potenz und ganz schnelles Abhauen.