Dr. Mitte Party Ride December - eine ganz normale Woche...
Jeden Tag liegt nicht nur eine, sondern gleich mehrere Einladungen auf dem Tisch. Was tun, was lassen, oder doch noch schnell ein Catering-Unternehmen eröffnen - kann man sich fragen. Gefeiert und geballert wird, was das Zeug hält. Leuchtende Augen, schwitzige Hände und zittrige Vorfreude weichen einer gewissen Abgeklärtheit, wenn man alle Angebote wahrnimmt. Hier ein kleiner Wochenrückblick:
Mittwoch 6.12.: Schwarzenegger bei der "6th Day" Premiere
Der ganze CinemaxX-Komplex am Potsdamer Platz ist abgesperrt, und das bedeutet, dass "The 6th Day" noch bigger werden soll als all die Filme, derentwegen zur Premiere das gegenüberliegende Sony Cinestar abgesperrt wurde. Am Gästelistenschalter eine Überraschung: Es liegen vier Tickets statt zwei im Umschlag. Ich schenke die anderen zwei den netten spanischen Austauschstudenten, die so aussehen, als wenn sie sich gewünscht hätten, Arnie mal live zu sehen, um ein paar Minuten später festzustellen, dass meine zwei Tickets doch nur eins sind: Eins für den Film, eins für die anschließende Party - und zwar in identischem Design. Nichts als Ärger mit der Idee, mal nett zu sein. Unter den vorwurfsvollen Blicken meiner Begleiterin grabsche ich kung-fu-like den Austauschstudenten ihre Tickets wieder weg, gebe ihnen einen Fuffi und entschuldige mich, sorry, sorry, peinlich, peinlich.
Drinnen wieder die Show von Columbia Tri-Star-Chef Jürgen Schau, der vor lauter Rührung und Devotion seinen amerikanischen Stars gegenüber mit seinem, ähem, recht eigenwilligen Englisch diverse Lacher erntet und sich schlussendlich vom künftigen Präsidenten der Vereinigten Staaten Schwarzenegger necken lassen muss: "Mei, der konn redn". Schwarzenegger teilt mit, dass er ohne seine "Fäns" nichts wäre und dass der Film ein echter "Fjutscher"-Streifen mit einem aktuellen Thema - nämlich "Klonen" - wäre. Dass er nichts gegen Klonen hat, versteht sich irgendwie von selbst, gerade für einen solchen Auftritt würde man als Superstar wahrscheinlich gerne seinen Klon vorbeischicken: Noch bevor der Film beginnt, sitzt Arnie bereits im Flieger.
Sich den Unfug auch nur einmal anzusehen, ist anstrengend genug, faszinierend allein, wie Hollywood mit der Message durcheinander kommt. Sie lautet in etwa: Klonen ist böse, aber wenn sein eigener Klon schon mal da ist, soll man nett zu ihm sein und gemeinsam gegen das Böse kämpfen. Hat man das besiegt, soll der Klon lieber auf Weltreise gehen, statt Durcheinander mit Frau und Kindern zu stiften.
Die anschließende Party findet im Umspannwerk Kreuzberg statt, einer schlauchartigen Industriehalle, die vor allen Dingen die faszinierend finden, die dergleichen noch nicht so kennen - hier ist alles streng nach A- und B-Vip Areas unterteilt, und es kommt mir vor, dass es den Veranstaltern sehr wichtig war, den B-Vips zu zeigen, wie unhip B-Vip ist: Stehplätze, Deinhard Sekt, trockene Toastbrots und sehnsüchtiger Blick auf Otto Waalkes hinter der Absperrung.
Donnerstag 7.12.: Luis Vuitton Eröffnung
Als Berlins für zwei Jahrzehnte wichtigster Herrenausstatter Kramberg das Zeitliche segnete, klaffte am Ku'damm eine schmerzliche Lücke, die für Rezession und Niedergang stand. Nun zieht der französische Luxuslieferant in die Kramberg-Räumlichkeiten und gibt der City West viel Hoffnung. Es ist knallvoll, und die Prominentendichte ist beachtlich. Der Plattenfirmenboss von Dieter Bohlen erzählt, dass man den Dieter mit einem hübschen Reisegepäck überzeugt hat, sich doch auch mal ganz dringend vom neuen, tollen lichtdurchfluteten Flagshipstore zu überzeugen. Zeitweise ist es so überfüllt, dass man die Gäste bittet, doch gleich zur Party zu gehen, die passenderweise an einem anderen Ort des Ku'damm-Decays stattfindet: der Filmbühne Wien.
Angeblich für ein halbes Jahr hat Luis Vuitton das marode Kino für diese Ein-Abend-Sause gemietet, die Wände neu tapeziert und die Teppiche neu ausgelegt. Es gibt Models in Glaskästen, ein Techno-Laufband, in denen Luis' Taschen hochschnippen, vorbeifahren und wieder wegtauchen. Fingerfood vom feinsten, Heiner ist da und die babybauchrausstreckende Jenny - allerdings getrennt, und alle unterhalten sich über den Bambi morgen und die Party am nächsten Freitag, wenn Berlins liebste Discothek der achtziger Jahre, der Dschungel, noch einmal für einen Tag aufmacht.
Wer was auf sich hält, geht anschließend zur Party der 808 Bar von Impressario Bob Young, die ihr Einjähriges feiert. Denn neben den "Big Party Shots" gibt es ja jeden Tag auch noch Weihnachtsfeiern, Jahrestage, Start-Up-Eröffnungen, Geburtstage, Hochzeiten und andere Anlässe, die ebenfalls begangen werden müssen.
Freitag 8.12.: Bambi-Verleihung, Estrel Convention Center
Boris, Babs, Sabs, Bambi, Bamsi - ein Katja Keßler Event, A Class, BMW Limousinenservice - wer sonst würde sich nach Finster-Neukölln verirren, wenn das Reh nicht hüpfen würde, galaexclusivtaffi, buntebrisantblitzy, was nicht heißt, dass es hier auch nur einen Meter lustiger wäre als anderswo. Dinner, Büffet, Foyerpartynixwieweggie - eine gewisse Partymüdigkeit macht sich breit, da können sich noch so viele Hummer räkeln....
Samstag 9.12.: Vernissage Fotos der Fürstin Sayn Wittgenstein Sayn, Galerie Pictureshow
Die Fürstin Sayn Wittgenstein Sayn hat schon immer gerne fotografiert, und das bereits seit 60 Jahren. Zu fotografieren gab's meist ihresgleichen: Prominente, Adelige und Wichtige, die sich freuen, von ihr fotografiert zu werden und nicht von den miesen Sensations-Typen, die Prinzessin Diana in den Tod getrieben haben. Heute hat sie Geburtstag, wird 80, sieht aus wie Maggie Thatcher in freundlich, und niemand Geringeres als die clevere Beate Wedekind stellt ihr Frühwerk aus: Paparazzifotos before Mediengesellschaft, man ist entzückt. Nachher Geburtstagsfeier in der Paris Bar, Lamm nach Mitternacht, wie immer nach Vernissagen. Udo Lindenberg ist auf alle Fälle bester Dinge, ein gutes Zeichen, wenn man es so sehen will. Wem irgendetwas schnelllebig vorkommt, dem gibt die Paris Bar in der Hauptstadt immer ein Zeichen der Kontinuität und Beständigkeit....
Sonntag 10.12.: Discovery Channel präsentiert "Leben im All", i-Max, Potsdamer Platz
Den Sonntag mal der Wissenschaft widmen und sich ein 3-D-Großbild PlingPlong reinziehen, die ESA simuliert für uns, wie es sein wird in der ISS Raumstation - und anders als für die Bastelastronauten hat Käfer ein Büffet hingestellt, man muss ja auf dem Laufenden bleiben.
Montag 11.12.: Ruhe und Bürotag
Diese Woche ist etwas ruhiger, denkt man sich am Montagmorgen, und man muss ja nicht wirklich immer ausgehen. Träumen von Wellness-Centern, alkoholfreien Tagen, mal "einen auf ruhig machen" und "im Wald spazierengehen", Lebenslügen, die dann doch nicht hinhauen werden. Zwei Stunden später: Schnell mal die Einladungen sortieren. Na gut, am Dienstag eröffnet der Cookie Club neu, Charlottenstraße/Unter den Linden, das muss man sich schon mal ansehen, dann gibt es die Wolford-Eröffnung, naja, und dann machen Friends & Sons für Grundigs "Events Today" eine Riesensause am Teufelsberg... Herrje, und zur einmaligen Wiedereröffnung des Dschungels muss man auch gehen, und am Samstag, da hat Marlboro den ganzen Anhalter Bahnhof zu einem Motel umgebaut. Und, und, und... ja, es wäre wirklich unhöflich, nicht zu erscheinen...