Drama um "Boston Globe" Gewerkschaften stimmen Sparpaket zu
Boston/Hamburg - Endgültige Rettung? Oder doch nur Atempause bis zur nächsten Krise? Die defizitäre US-Zeitung "The Boston Globe" hat eine vorläufige Einigung mit der größten Gewerkschaft im Unternehmen erreicht - und dabei weitgehende Zugeständnisse bekommen.
Details würden allerdings erst nach einem Treffen der Mitarbeiter am Donnerstag mitgeteilt, erklärte Gewerkschaftschef Dan Totten am Mittwoch. Der "Boston Globe" vermeldet unter Berufung auf Insider auf seiner Website hingegen schon einige Kernpunkte des Deals.
Demnach soll es Lohnkürzungen geben, von unbezahlten Urlauben ist die Rede. Zudem würden lebenslange Arbeitsplatzgarantien - von denen rund 200 Angestellte profitierten - in der bisherigen Form aufgehoben.
Der "Boston Globe" gehört zum Medienkonzern der "New York Times". Das Mutterhaus verlangte Einsparungen in Höhe von 20 Millionen Dollar, sonst könne es das weitere Erscheinen des 137 Jahre alten Blattes nicht garantieren. Die Firma hatte dazu ursprünglich eine Frist bis Sonntag gesetzt. Die spektakuläre Drohung, danach die Schritte zur Schließung des Blattes einzuleiten, wurde dann aber doch nicht umgesetzt.
Mit sechs von insgesamt sieben Gewerkschaften hatte sich der "Times"-Konzern schon zuvor geeinigt. Die Einigung mit der siebten Gewerkschaft - mit der jetzt auch der Deal geschlossen wurde - galt allerdings als zentral, da sie rund 600 "Globe"-Beschäftigte vertritt.
Das New Yorker Verlagshaus hatte den "Globe" 1994 für rund 1,1 Milliarden Dollar übernommen - bis heute die höchste Summe, die je für eine amerikanische Zeitung auf den Tisch geblättert wurde. Im ersten Quartal dieses Jahres machte die "Times"-Gruppe dann allerdings selbst einen Verlust von 74,5 Millionen Dollar.
Dabei hieß es, von allen Zeitungen des Unternehmens sei der "Boston Globe" am härtesten von der Rezession getroffen worden. Der Verlust des "Globe" lag im vergangenen Jahr bei 50 Millionen Dollar, für dieses Jahr wurde ein Minus von 85 Millionen Dollar erwartet.