DSDS Jugendschützer halten an Kritik fest
München/ Hamburg - Auch nach einer Anhörung von RTL bezüglich der Castingshow "Deutschland sucht den Superstar" ("DSDS") halten Jugendschützer an ihrer Kritik fest. Die Kommission für Jugendmedienschutz der Landesmedienanstalten (KJM) teilte am Donnerstag mit, RTL habe mit den Wiederholungen am 13., 14., 20. und 27. Januar um 16.20 Uhr bzw. 16.50 Uhr gegen die Jugendschutzbestimmungen verstoßen. Die zuständige Niedersächsische Landesmedienanstalt werde nun "eine Beanstandung aussprechen", allerdings nur gegen die Nachmittags-Wiederholungen. Der Rechtsweg hiergegen stehe dem Sender offen, so der KJM.
Der KJM ist der Auffassung, dass sowohl die redaktionelle Aufbereitung und Inszenierung der Auftritte einiger Kandidaten, als auch die beleidigenden Kommentare der Jury "die Entwicklung von Kindern unter zwölf Jahren beeinträchtigen" könne.
"In einem Massenmedium wurde vorgeführt, wie Menschen herabgesetzt, verspottet und lächerlich gemacht werden. Antisoziales Verhalten wird auf diese Weise als Normalität dargestellt. Dies kann Werten wie Mitgefühl, Respekt und Solidarität mit anderen entgegenwirken", erklärte die Kommmission. Dies sei auch der Hauptgrund für den Ausspruch einer Beanstandung, was einer Art öffentlicher Rüge entspricht.
Besonders problematisch sei auch der gewählte Sendeplatz. Die betreffende Show wird im Hauptabendprogramm ausgestrahlt und erreiche somit "Kinder und Jugendliche zwischen zwölf und 16 Jahren". Zum wiederholten Male kritisierte die Kommission, dass die Shows vor ihrer Ausstrahlung nicht der Freiwilligen Selbstkontrolle Fernsehen (FSF) vorgelegt wurden. Der KJM erwarte in der nächsten Zeit "eine intensive Diskussion über mögliche Jugendschutzprobleme".
Laut KJM haben Vertreter des Senders RTL bei der Anhörung am Dienstag nicht nur den Unterhaltungscharakter der Sendung hervorgehoben, sondern auch auf den selbstdarstellerischen Drang der Kandidaten verwiesen. In Zukunft wolle man aber die zuständigen Redakteure stärker sensibilisieren.
Tobias Schmid, RTL-Bereichsleiter für Medienpolitik, bewertete das Gespräch mit der KJM als "sehr konstruktiv". Unterhaltungschef Tom Sänger ergänzte: "Einige der jetzt diskutierten Fragen sind aber wohl eher Geschmackssache und weniger ein nachhaltiges Problem des Jugendschutzes." RTL wisse um seine "besondere Verantwortung als Familiensender, die wir sehr gewissenhaft wahrnehmen", erklärte Sänger der Nachrichtenagentur dpa.
Die am 10. Januar gestartete vierte Staffel der Show war vor allem wegen der derben Kommentare von Musikproduzent und "DSDS"-Juror Dieter Bohlen in die Kritik geraten. Mittlerweile laufen die sogenannten "Motto-Shows" mit den zehn besten Kandidaten live auf RTL, welche nicht beanstandet wurden.
hae/ddp/dpa