E-Mail aus Hollywood: Die Zigarren-Machos von Beverly Hills - DER SPIEGEL
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E-Mail aus Hollywood Die Zigarren-Machos von Beverly Hills

In Beverly Hills steht das Mekka der Paffer: Der "Grand Havana Room", wo die Hollywood-Stars ihre feinen Tabakwaren aus Kuba oder Mittelamerika genießen.
Von Helmut Sorge
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Blaugraue Wolken zogen hoch zu den Faustkämpfern. An den Tischen, die einer Wagenburg gleich um den Ring standen, dinierten im Smoking gekleidete Gentlemen. "Deckung, die Deckung", rief einer von ihnen, und schwang seine Fäuste, die "Rechte, rechts, Mann". Sylvester Stallone, der in "Rocky" einen Sternenbanner-stimulierten Faustkämpfer spielte, war in seinem Element. Immer wieder zog er an seiner "Stogie", wie die Fans ihre Zigarre nennen, und blies den Ring zu den Faustkämpfern hoch. Gelegentlich klopfte er seinem Tischnachbarn - Arnold Schwarzenegger - so heftig auf die muskulösen Arme, dass dem die Glut seiner Zigarre auf den Teller fiel.

Boxen und Qualmen, das war der Sinn dieser Veranstaltung, die von den Hollywood-Zigarrenfans in Beverly Hills organisiert wurde. Seit dieses "Dinner-Boxen" vor einigen Jahren stattgefunden hat, ist die Zigarre, kein Zweifel, am "Sunset" zum Statussymbol geworden. Also nicht erst seit Bill Clinton das Rauchwerk zu sexuellen Spielchen zweckentfremdete. Am ersten Montag jeden Monats lässt Schwarzenegger in seinem Restaurant "Schatzi" in Santa Monica exklusiv für Zigarrenraucher reservieren, 85 Dollar Eintritt pro Person, Steak, Asbach Uralt, ein Glas Wein, Kaiserschmarrn sowie zwei Zigarren der Marke "Perdomo" eingeschlossen.

Am ersten Montag im August war der Boss persönlich da. Er kam direkt von den Warner-Studios herüber, wo er einige Kampfszenen seines in Mexiko abgedrehten Thrillers "Collateral Damage" (US-Premiere 5.10.2001) nachgefilmt hat. Er zog an seiner "Stogie", plauderte mit Kumpel Ralf Moeller und Vertrauten vergangener Jahre, seinem Stunt-Double aus Terminator-Tagen sowie dem Ex-Bodybuilder Franco Columbu, mit dem Schwarzenegger in frühen kalifornischen Tagen das trockene Brot brach. Der Kraft-Sportler feierte seinen 54. Geburtstag mit einem Raucher-Abend, also entzündeten seine Gäste eine Wunderkerze und sangen gemeinsam für den kantigen Kameraden "Happy Birthday". Nur die Bodyguards des Hollywood-Stars, mindestens drei, die in bunte Hemden gekleidet, den Schwarzenegger-Tisch unter Dauer-Beobachtung hatten, rauchten nicht - Dienst ist Dienst.

In Los Angeles ist das Rauchen in Restaurants und Bars eigentlich verboten. Die Feuerwehr in L.A. hat Nacht für Nacht zwei Fahnder, Nichtraucher, im Einsatz, die Gesetzesbrechern sogleich ein Bußgeld aufbrummen können: Gäste, zwischen 81 und 324 Dollar, Lokalbesitzer müssen bei einem rauchigen Vergehen bis zu 7000 Dollar bezahlen. Die Gesetzesgeber der body- und gesundheitsfanatischen Kalifornier erhöhten überdies die Steuer auf Zigarren; 1999 gleich um 67 Prozent.

Zunehmend sehen sich die Raucher "der Tyrannei der politisch Korrekten" ausgesetzt, klagte Marvin Shanken, Herausgeber von "Cigar Aficionado". Von seinem Magazin, das 1992 gegründet wurde und alle zwei Monate erscheint, werden Hunderttausende verkauft. Auf nahezu jedem Titel druckt Shanken die Porträts von Hollywood-Stars mit Zigarre, die sich die Lust von den Anti-Raucher-Fanatikern nicht nehmen lassen wollen: Michael Douglas und Pierce Brosnan, Sylvester Stallone oder Denzel Washington. Aus Kuba dürfen US-Besucher Zigarren im Gesamtwert von 100 Dollar einführen, doch möglich ist, dass Tausende von geschmuggelten Partagas Lusitanias, Vegas Robaina Don Alejandro, Hoyo de Monterrey oder Double Corona gleichwohl in den Humidors der Mächtigen am Sunset lagern.

"Stogies" sind in: Im letzten Jahr allein verkauften die Zigarrenhersteller aus Mittelamerika und Florida in den USA 6,1 Milliarden Zigarren, nicht zuletzt, weil die Hollywood-Stars die Zigarre zu einem amerikanischen Erfolgssymbol gemacht haben: So mancher dieser Karriere-Typen schlendert in geblümten Bermuda-Shorts am Strand von Santa Monica, Long Island oder Miami Beach entlang. Barfüßig, auf dem Kopf eine Baseball-Kappe, in der einen Hand ein "Handy", in der anderen eine Zigarre. Zum Lunch oder Drinks und anderen Gelegenheiten treffen sie sich in einem der zahlreichen Zigarrenclubs.

Das Mekka der Paffer ist der "Grand Havana Room" in Beverly Hills, der vor fünf Jahren von dem aus Aachen stammenden Architekten Gerhard Heusch entworfen wurde. Die Mitgliederzahl ist auf etwa 600 begrenzt. Die Aufnahmegebühr: 3000 Dollar, Monatsbeitrag: 200. Dutzende, auch Hollywood-Stars, warten auf einen der 340 Humidors, die hinter einer Glaswand eingerichtet sind.

Die auf Messingplatten eingestanzten Namen sind das "Who is Who" des Macho-Hollywoods: Arnold Schwarzenegger, Mel Gibson, der Zigarren der Marke Bolivar Gigante besonders schätzt, Jack Nicholson, Danny DeVito ("Der Rosenkrieg"), Dennis Franz ("N.Y.P.D. Blue"), Box-Weltmeister Oscar de la Hoya, Robert De Niro, Ralf Moeller, der sich schon mal eine "Asturo Fuente Opus X" zum Stückpreis von 50 Dollar gönnt.

Der vom Nichtraucher Heusch als Rotunde gebaute Club ist nur für Mitglieder über einen privaten Fahrstuhl zu erreichen. Die meisten der Hostessen sind Hollywood-Starlets, die sich von der Begegnung der besonderen Art ihren Karriere-Durchbruch erträumen: In den dunkelblauen oder burgunderfarbenen Sesseln hocken die Stars, Produzenten, Regisseure, Drehbuchschreiber. Und zweimal im Monat spielt Schauspieler Jeff Goldblum ("Jurassic Park") am Piano mit zwei Freunden Jazz: James Orr, Produzent, Peter Weller, Schauspieler ("RoboCop"). Hier im "Grand Havana Room" werden Träume geplant - manche davon gehen in Rauch auf...