E-Mail aus Hollywood: What a feeling... - DER SPIEGEL
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E-Mail aus Hollywood What a feeling...

Ob bei Tony Curtis, bei Celine Dion oder Maria Shriver, in Los Angeles dreht sich alles um die Karriere. Wer einmal Erfolg hatte, versucht es gleich ein zweites Mal. Und zum Erfolg gehört vor allem eins: Phantasie.
Von Helmut Sorge
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Tony Curtis

, inzwischen 76 und wohnhaft im steuergünstigen, sonnig-trockenen Las Vegas, kann es nicht lassen. Ab 2002 soll Curtis in der Bühnenversion von "Some like it hot" auftreten, der 1959 von Billy Wilder verfilmten Komödie, in der Curtis und Jack Lemmon an der Seite von Marilyn Monroe glänzten. Curtis soll den exzentrischen Multimillionär Osgood Fielding spielen, der sich in eine Musikerin verliebt, die letztlich als Mann entblößt wird. Erster Auftritt: Juli 2002, Aladdin Casino, Las Vegas.


In der Zocker-Stadt soll auch Céline Dion, die franko-kanadische Sängerin nach ihrem Mutterschaftsurlaub ab März 2003 eine künstlerische Bleibe finden. Der "Caesar's Palace" baut für 65 Millionen Dollar ein Auditorium, in dem Dion, die rund 125 Millionen Alben absetzte, pro Jahr an 200 Abenden 4000 Fans unterhalten soll.


Rund 750.000 Exemplare hat Maria Shriver, Fernsehmoderatorin und Kennedy-Verwandte, bisher von ihrem Buch "Ten things I wish I'd known before I went out into the real world" abgesetzt. Grund genug für die Autorin, die ihren Mann Arnold Schwarzenegger bei einem Tennis-Wohltätigkeitsturnier kennen lernte und mit ihm vier Kinder hat, weiter zu schreiben. Ihr zweites Buch, das im Oktober veröffentlicht werden soll, ist die Geschichte eines behinderten Jungen "What's wrong with Timmy?"


Für seine eigene musikalische Unterhaltung sorgte der erste - private - Weltraumfahrer Dennis Tito. Der in Kalifornien residierende Wissenschaftler und Investment-Milliardär brachte in der russischen "Sojus"-Kapsel Klassiker zur Weltraumstation - Aufnahmen von Andrea Bocelli ("Viaggio Italiano"), den Beatles ("One"), vor allem aber CDs von Placido Domingo ("Domingo Favourites"), Roberto Alagna ("Love Duets") sowie "Dein ist mein ganzes Herz: Classic songs of Operette". Gegenwärtig bemüht sich Tito, der auch die L.A.-Oper finanziell unterstützt, zumindest einen Bruchteil seiner Reise-Kosten ins All (rund 20 Millionen Dollar) wieder zurückzuverdienen: mit seinen Erinnerungen. Erste Verhandlungen mit New Yorker Verlagen hat der Chef der "Wilshire Associates" geführt. Auch Shane Osborn, Leutnant der US-Navy, dem ein chinesischer F-8-Pilot während eines Spionageflugs der Amerikaner in den Propeller kam, will, so meldete "Entertainment Weekly", sein Abenteuer an einen Verleger verkaufen. Mindestpreis: 250.000 Dollar.


Carl Lewis, 39, neunfacher Goldmedaillen-Gewinner, der vor mehr als einem Jahr aus dem heimatlichen Houston nach L.A. übersiedelte, hat seine eigene Website, www.Carllewis.com gelauncht. Der ehemalige Leichtathlet, der häufig mit seinen zwei Hunden am Strand von Santa Monica läuft oder rollerbladed, wird bald als Schauspieler tätig werden. Der Vertrag über eine Nebenrolle in dem für den Kabel-Sender TNT gedrehten "Atomic Twister" ist bereits unterzeichnet. Lewis soll einen heldenhaften Wachmann spielen.


Giorgio Moroder kann von seinem Swimming Pool, der hoch oben in den Hügeln von Beverly Hills liegt, die Hochhäuser der Downtown erkennen, solange sich nicht der Smog wie ein braunes Laken über L.A. legt. In der Dunkelheit leuchten die Jets beim Landeanflug auf L.A. Airport wie Glühwürmchen. Doch dieser Tage hat Moroder keinen Blick für Schönheit, seine Frau Francesca ausgenommen. Er hockt in seinem Studio und komponiert. 17 Jahre nachdem er die Musik für den Film "Flashdance" geschrieben hat, arbeitet der dreifache "Oscar"- Gewinner, der Entdecker des Disco-Rhythmus, den Hit neu auf - als Musical.

Die Verträge sind unterzeichnet; Investoren sind bereit zu finanzieren, der deutsche Autor Michael Kunze ("Elisabeth", "Vampire", "Mozart"), arbeitet derzeit am Skript. In der Musical-Version bleiben nur zwei Hits aus dem Film, darunter der Moroder-Song "What a feeling", der in der ewigen Bestsellerliste der Filmmusik auf dem neunten Platz steht. Moroder ist überzeugt, dass die Geschichte des Mädchens, das tagsüber als Schweißerin arbeitet, nachts als Nachtclubtänzerin ihren Traum vom Tanzen auslebt und letztlich doch den Schritt an die Ballettschule wagt, immer noch aktuell ist: "Hollywood ist übersät von Mädchen mit ähnlichen Phantasien".

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