Ehepaar Steinmeier bei Kerner Die Anti-Obamas
"Exklusiv und zum ersten Mal": Sichtlich stolz kündigte Johannes B. Kerner seinen Gast für diesen Abend an. Der SPD-Spitzenkandidat, Vizekanzler und Außenminister Frank-Walter Steinmeier gemeinsam im Fernsehen mit seiner Frau Elke Büdenbender - eine Premiere am späten Abend.
Was dann folgte, war eher, als hätte man ein Paar zum Grillabend eingeladen, bei dem man sicher sein kann, dass nichts aus dem Ruder läuft.
Mit einem hemdsärmeligen Kerl, einem, der zur Not ein Auto reparieren kann und einer Frau, die nicht doof ist und dennoch gelernt hat, sich im Hintergrund zu halten, wenn der Gatte spricht.
Das Duo Steinmeier-Büdenbender demonstrierte bei Kerner das größte Interesse daran, als nette, unterhaltsame, aber auch seriöse Eheleute rüberzukommen.
Mit anderen Worten: Es war ein hackenöder Abend.
Zwar hatte Kerner die Sendung mit einem Tempo gestartet, dass weder den Gästen noch den Zuschauern Zeit zum Atmen blieb - doch holte ihn schon in den ersten Minuten seine professionelle Oberflächlichkeit ein. "Warum, glauben Sie, wäre er gut fürs Land?" fragte er Steinmeiers Ehefrau, die dann in wunderbarster Dichte ausführte, dass ihr Mann ein Mann "mit klaren Zielen" sei.
Einer, "der nach vorn geht. Das finde ich klasse".
Das hatte Frau Büdenbender, Verwaltungsrichterin in Berlin, gut aufzusagen gelernt, und der Zuschauer fragte sich, wer sich hier ungeschickter anstellt. Sie, die vorgibt, an einen Wahlsieg zu glauben, und ihren Mann anpreist wie Aale-Dieter am Sonntagmorgen seine Ware auf dem Hamburger Fischmarkt, oder Kerner, der sie in die Situation bringt, ihr Band abzuspulen.
Der Moderator sprang zwischen ernsthaften Themen wie Opel und Flugzeugabsturz und banaleren wie Steinmeiers Neigung zum Heimwerken und dem Musikgeschmack der 13-jährigen Tochter. Dabei erfuhr man wenig Neues vom Außenminister, jedenfalls nichts Relevantes. Jedes Thema, jede Frage scheint geplant, nichts entwickelt sich.
Kerner gleitet routiniert über sein Parkett. Um abzulenken, wirft er sich auf die kleinen Gimmicks, die seine Redaktion vorbereitet hat: Einspieler, Miniaturlandschaften, Umfragen, Titelblätter, die es zu beschriften gilt und einer Ente, deren Motor Steinmeier zum Laufen bringen soll. Eine große Gemengelage, die den Deutschenimmerhin den Mann und die Frau vorstellen soll, die Angela Merkel und Joachim Sauer vom Thron stoßen wollen.
Dichte Momente entstanden allenfalls, als Steinmeier von seinen Hornhauttransplantationen und dem Organspenden berichtete - und Elke Büdenbender zum Beweis, dass sie ihre Heiratsurkunde immer bei sich trägt, von Kerner animiert, ein löchriges Dokument aus der Tasche zog.
Was bleibt? Die Eheleute Büdenbender-Steinmeier geben eine gute Figur ab. Ein eingespieltes Duo. Zugewandt und in Sympathie zueinander erzählen sie von sich, lachen viel und geben sich locker. Die 46-Jährige zappelt dabei fröhlich auf ihrem Sessel und legt ihrem Mann zur Bekräftigung der Beziehung die Fingerspitzen auf den Handrücken, während er ihren Blick sucht, wenn das Gespräch auf Sicherheitsmaßnahmen im Privathaus kommt.
Elke Büdenbender, die Juristin, kommt sympathisch rüber. Eine Frau, die bisher öffentliche Auftritte gescheut hat und sich dennoch sehr souverän vor den Kameras bewegt.
Eine Frau, die sich immer häufiger an der Seite ihres Mannes blicken lässt und keinen Hehl daraus macht, dass sie lieber auf diese Auftritte verzichten würde. Vielleicht, weil sie jetzt genötigt ist, ihren Kopf schräg zu legen und anschließend zu klatschen, wenn er vor neuem Publikum erzählt, was sie x-mal gehört hat.
Eine emanzipierte Frau, die befürchten muss, ihre Souveränität an der Seite ihres nach immer mehr Macht strebenden Mannes zu verlieren, um vor allem eines zu werden: die Frau an der Seite.
Doch das ist es nicht, was dem großen Funkenregen entgegenstand. Dem Obama-Feeling, nach dem sich viele auf der deutschen Linken sehnen.
Dass Elke Büdenbender und ihr Mann keinen Glanz, keinen Überschwang und wenig Esprit vermittelten, liegt schlicht und einfach an der Tatsache, dass sie ein total normales, sturzlangweiliges Paar sind.
Wie man es zum Grillen einladen würde. Oder eben nicht.