Einwanderungsland USA: Die Grenzen des Designs - DER SPIEGEL
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Einwanderungsland USA Die Grenzen des Designs

Alles hat seine Grenzen, auch das Einwandererland Amerika. Vor allem die illegalen Immigranten aus Mexiko will man abschrecken - mit Stacheldraht und Waffengewalt. Der "New York Times" war das zu martialisch - sie lud zum Design-Wettbewerb der umstrittenen Grenzzone.
Von Arndt Breitfeld
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

New York - Fast zwei Milliarden Dollar hat US-Präsident George W. Bush beim Kongress beantragt, um die Grenze zwischen den USA und Mexiko ausbauen zu lassen. 6000 Nationalgardisten sollen dort eingesetzt werden, um den illegalen Zuzug mexikanischer Einwanderer zu verhindern und verschärft Grenzkontrollen durchführen zu können. Auf einer Strecke von 800 Kilometern sollen Barrieren die freie Durchfahrt verhindern, Ende Mai billigte der US-Senat den Bau eines 600 Kilometer langen Dreifachzauns.

Die "New York Times" nahm sich des Themas nun auf kreative Weise an: Der Grenzzaun sei eine Designherausforderung für Architekten, denn deren Aufgabe sei es nun mal, mit "Lösungen zu kommen, die hässlichen Problemen die Stirn bieten".

Insgesamt 13 Architekten und Städteplaner bat das Blatt um einen Grenzentwurf. Acht von ihnen lehnten die Teilnahme an der Ausschreibung ab, weil es sich dabei um ein rein politisches Thema handele. Architekt Ricardo Scofidio von Diller Scofidio & Renfro tat die Idee kurzerhand als "alberne Sache, als Scherzfrage" ab. "So etwas sollte man besser Sicherheitsleuten und Ingenieuren überlassen", sagte er der Zeitung.

Grenzlösungen, die keine Barrieren sind

Vier der fünf teilnehmenden Architekten jedoch wagten sich an das brisante Thema und präsentierten Grenz-Lösungen, die keine waren: die Grenze nicht als Barriere, sondern als Ort der Integration.

Calvin Tsao von Tsao & McKown etwa schlug eine Handelszone vor, die die Grenze als eine Serie "kleiner, sich entwickelnder Städte" darstellt, so dass sich ihr Verlauf als eine Lichterkette präsentiert, deren "Licht in der Nacht vom Weltall aus sichtbar ist". Beeindruckend auch die Idee von Eric Owen Moss, einem Architekten aus Los Angeles: Eine Arkade von beleuchteten Glassäulen, die sich durch die Landschaft zieht und zwischen deren Stehlen man umherlaufen kann, soll zu sozialem Austausch einladen. Auch Enrique Norton, Inhaber zweier Architekturbüros in Mexico City und New York, setzt als in Mexiko geborener US-Bürger auf Offenheit. Seine Idee: das Milliarden-Dollar-Budget für Highways zu verwenden, die die Ländergrenzen überbrücken.

Luftspiegelung durch heißen Staub und Stein

Antoine Predock, Architekt aus Albuquerque, bezeichnete der "New York Times" gegenüber seinen Entwurf als "Fata Morgana". Er wolle den Grenzzaun "dematerialisieren". Ein Erdwall aus viel Dreck, Staub und Schmutz, von mexikanischen Arbeitern zusammengeschaufelt und vermengt mit zerkleinertem Felsgestein; das Ganze von unten erhitzt: Seine überwindbare Grenze wirke als Luftspiegelung, so wie die Hitze in der Wüste Dinge dem Schein nach schweben lasse. Trotzdem würde die Luftspiegelung nicht zum Überqueren ermutigen, aber "die Message von beiden Seiten sei trotzdem als guter Wille" erkennbar, sagte er der Zeitung.

Die einzige tatsächliche Grenzbefestigung entwarf James Corner von einer New Yorker Stadtplanungs- und Landschaftsarchitektur-Firma. Das monumentale Bauwerk soll neben seiner Eigenschaft als Grenze noch eine zweite Funktion erfüllen: Solarenergie bündeln und verwerten.

Sonnige Perspektiven auf dem Reißbrett - die Realität sieht anders aus: Ein Viertel der 3200 Kilometer langen Grenze soll eingezäunt werden. Die Hoffnung auf ein besseres Leben aber bleibt grenzenlos: Schätzungsweise zwölf Millionen illegale Einwanderer leben heute in den USA.

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