Eklat im Container Judenwitze bei "Big Brother"
In der Nacht vom 2. auf den 3. Oktober, genau um 2.38 Uhr, begann der Container-Bewohner Michele, Witze zu erzählen. "Erst ein unappetitlicher Frauenwitz, dann vier Passagen über Juden, anschließend noch mehrere Türkenwitze", meldete heute die "Süddeutsche Zeitung" ("SZ"). Durch die Nachfrage der Münchener Journalisten war der Abosender Premiere überhaupt erst auf den Skandal aufmerksam geworden. Die üblen Verfehlungen des italienischen Kellners aus Hamburg waren live übertragen worden.
Premiere hat unterdessen Konsequenzen gezogen: Den beiden Redakteuren, die in der betreffenden Nacht Regie führten, hat Senderchef Georg Kofler fristlos gekündigt. "Die Mitarbeiter, die die Sendung beaufsichtigen sollten, haben versagt", so Kofler heute gegenüber der Nachrichtenagentur dpa. Weitere personelle Konsequenzen sollten allerdings nicht getroffen werden. "Wir werden unsere Mitarbeiter noch stärker sensibilisieren, damit so etwas nicht noch einmal passiert", sagte der TV-Manager.
RTL 2, die neben Tele 5 zeitweise ebenfalls aus dem Container senden, hat die Passagen nicht übertragen. "Bei der täglichen Zusammenfassung auf unserem Sender wurde die bedauerliche Entgleisung herausgeschnitten", erklärte RTL-2-Sprecher Conrad Heberling heute. Michele sei außerdem "eindringlich ermahnt" worden, man habe ihm auch den "Rausschmiss angedroht".
Warum der Bewohner nicht umgehend entlassen wurde, blieb jedoch offen. Heberling erklärte gegenüber SPIEGEL ONLINE, ein Rausschmiss sei nur in Abstimmung mit der Produktionsfirma Endemol zu erwirken. Michele sei außerdem "einsichtig" gewesen und habe sich bei der Redaktion entschuldigt. Die Zuschauer allerdings wählten den Mann aus der Fernseh-WG heraus.
Premiere-Sprecher Dietrich Wöstehoff fand für den Eklat deutliche Worte: "Man hätte das unterbinden können." Tatsächlich kann auch im Live-Betrieb unterbrochen werden. "Die Redakteure sind geschult", so Wöstehoff, man hätte etwas anderes zeigen können: "einen schlafenden Menschen oder einen Tisch". Eine Zeitversetzung bei Live-Ausstrahlungen, wie sie von amerikanischen Sendern seit Janet Jacksons Brustentblößung beim Super Bowl praktiziert wird, könne jedoch "menschliches Fehlversagen" nicht ausschließen, so Wöstehoff.
Auch Kofler betonte, beim Live-Fernsehen werde man Fehler "nie zu hundert Prozent ausschließen können". Man dürfe den Vorfall außerdem nicht überbewerten. "Da sind um halb drei Uhr morgens vielleicht höchstens ein Dutzend Zuschauer vor 'Big Brother' dahingedämmert", so Kofler.
Die Bayerische Landeszentrale für neue Medien (BLM), die Premiere beaufsichtigt, stuft laut der "SZ" den Vorfall als "Verletzung der Menschenwürde" ein. Dies werde streng geahndet. Auch die Medienaufsichtsbehörde war erst durch die Anfrage der "SZ" auf den Vorfall aufmerksam geworden.