Ellsworth-Kelly- Ausstellung: Ein Quadrat ist ein Quadrat - DER SPIEGEL
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Ellsworth-Kelly- Ausstellung Ein Quadrat ist ein Quadrat

Im Münchner Lenbachhaus vermitteln die frühen Zeichnungen des amerikanischen Malers Ellsworth Kelly einen Einblick in die Ursprünge seiner künstlerischen Arbeit.
Von Sven Siedenberg
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Es gibt sie auch in dieser Ausstellung: die meterhohen, monochrom leuchtenden Bilder von Ellsworth Kelly, bei denen, wie zuvor schon bei Malewitsch und Rodtschenko, die Farbe selbst zum Gegenstand wird und für die ein Kritiker den Begriff "hard edge painting" geprägt hat - die Malerei der scharfen Kanten.

Diese Bilder fungieren aber nur als Prolog einer Schau im Münchner Lenbachhaus, bei der es gerade nicht um die Power der Pigmente geht, sondern um einen weitgehend unbekannten Aspekt im Werk des amerikanischen Malers: seine frühen Zeichnungen. Allesamt entstanden zwischen 1949 und 1955 und waren nicht dazu gedacht, das Atelier jemals zu verlassen. Nun hängen die mehr als 220 Arbeiten aber doch - mit dem Einverständnis des inzwischen 76-jährigen Künstlers - in einem Museum und bieten Einblicke in die Werkentwicklung dieses bedeutenden Einzelgängers.

1949, als in den USA der Abstrakte Expressionismus den Ton angab, war Ellsworth Kelly noch ein Suchender. Deshalb ging er nach Paris, wo er sich intensiv mit den Zufallsprinzipien in den Collagen von Jean Arp und den komplexen, modularen Bildkompositionen von Piet Mondrian beschäftigte. Noch mehr beeinflusst wurde er von der Alltagswelt, den Straßen und Bäumen, den Fenstern und Fassaden. "Reflections of Trees in the Seine" oder "Studies of Tennis" sind auf wenige Bleistiftstriche reduzierte Beobachtungen der Wirklichkeit.

Zu Beginn der fünfziger Jahre kommt dann die Farbe ins Spiel der geometrischen Formen. So entwickelt Kelly eine Serie von Arbeiten, die aus zerschnittenen Zeichnungen bestehen, deren Teile zu einem zufälligen Raster neu arrangiert wurden. Diese Experimente münden schließlich in einer Folge von vierzig Blättern, die den Titel "Line Form Color" tragen und bereits all das enthalten, was Kelly zeitlebens faszinierte: gekurvte Flächen, Quadrate und Rechtecke in den unterschiedlichsten Farbtönen.

Nur die Formate dieser stets unsignierten, fast anonym wirkenden Werke verändern sich später noch: Sie wuchern zu wandgroßen Tafeln, die sich in den Raum fressen und eigentlich mehr mit Architektur zu tun haben als mit Malerei.

(Ellsworth Kelly: The Early Drawings 1948 - 1955, Städtische Galerie im Lenbachhaus, Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 10 - 18 Uhr. Bis 28.Mai.)