Erstes Interview: Ai Weiwei bestreitet Geständnis - DER SPIEGEL
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Erstes Interview Ai Weiwei bestreitet Geständnis

Ai Weiwei spricht: Zum ersten Mal nimmt der regimekritische chinesische Künstler Stellung zu den ihm vorgeworfenen Vergehen. Demnach habe er sich nie der Steuerhinterziehung schuldig bekannt. Am Mittwoch wurde nun auch Ais Künstlerkollege Ran Yunfei aus der Haft entlassen.
Ai Weiwei im Juni nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis: Die Kritik am System bleibt
Ai Weiwei im Juni nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis: Die Kritik am System bleibt

Ai Weiwei im Juni nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis: Die Kritik am System bleibt

Foto: DAVID GRAY/ REUTERS
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Hamburg/Peking - Eigentlich darf sich Ai Weiwei nicht gegenüber der Presse über die Zeit im Gefängnis und die Gründe für die Haft äußern. Doch jetzt hat der regimekritische Künstler ein Interview gegeben - unter höchst ungewöhnlichen Umständen: Ausgerechnet in der englischsprachigen "Global Times", die vom kommunistischen chinesischen Parteiorgan "Volkszeitung" herausgegeben wird, spricht er über seine Auseinandersetzungen mit den Behörden. Das Blatt hatte sich immer kritisch über Ai Weiwei und die Empörung im Westen über seine Festnahme geäußert.

Trotz der linientreuen politischen Ausrichtung der Zeitung äußert Ai Weiwei explizit seine Ansichten. So sagt der 54-Jährige im Gespräch mit der "Global Times": "Ich werde niemals aufhören, gegen Ungerechtigkeit zu kämpfen." Außerdem bestritt er, ein Geständnis über Steuerhinterziehung unterzeichnet zu haben, so wie es nach seiner Freilassung von chinesischen Behörden lanciert wurde. In dem Interview bestätigte Ai zwar, dass er ein Dokument unterschrieben habe, betonte aber, dass es kein Geständnis gewesen sei. Der zu seinem "Fake"-Studio gehörenden Designfirma wird vorgeworfen, Steuern hinterzogen zu haben. Aus Sicht von Ais Familie diente der Vorwurf der Wirtschaftsverbrechen aber nur dazu, den Regimekritiker zum Schweigen zu bringen.

Der 54-Jährige sprach sich in der Zeitung für Reformen, aber gegen einen rabiaten Machtwechsel aus. "Ein Umsturz des Regimes durch eine radikale Revolution ist nicht der Weg zur Lösung der Probleme Chinas", wurde er zitiert. "Das Wichtigste ist ein wissenschaftliches und demokratisches politisches System."

Der Nachrichtenagentur AFP sagte Ai, das Interview, das in der chinesischen Ausgabe der "Global Times" nicht erschien, sei echt. Es sei aber von der Zeitung "arrangiert" gewesen und "sicherlich auf allen Ebenen" der Zensur geprüft worden.

Ai Weiwei war am 22. Juni nach fast dreimonatiger Haft unter internationalem Druck auf Kaution freigelassen worden. Am Mittwoch ist nun auch nach sechs Monaten der Schriftsteller Ran Yunfei aus dem Gefängnis gekommen. Der 43-Jährige stehe in seiner Heimatstadt Chengdu im Südwesten des Landes aber weiterhin unter Hausarrest, sagte der Anwalt des Autors. Ran war im Februar wegen angeblich staatsgefährdenden Verhaltens festgenommen worden. Seine Entlassung erfolgte kurz vor einem geplanten Besuch von US-Vizepräsident Joe Biden in Chengdu.

Noch am Dienstag hatte Ai Weiwei seine Freilassung gefordert. Via Twitter forderte er seine Anhänger auf, Ran und den ebenfalls einsitzenden Dissidenten Wang Lihong zu unterstützen. Ai fügte hinzu, einige seiner engsten Künstlerkollegen, die wie er "illegal inhaftiert" worden seien, hätten im Gefängnis "seelische und physische Folter" erlitten.

cbu/dpa/AFP